CHOPIN-GESELLSCHAFT HANNOVER e.V.

Klaviermatinée mit Martin Kasik Im Gutshof Rethmar 24. Juni 2007

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Erstmals war die Chopin-Gesellschaft zu Gast im Gutshof Rethmar in Sehnde. Es begann mit Chopin, mit dessen 1. Ballade in g-moll. Sie ist spannend wie eine erzählte Geschichte. Chopin liess sich dazu anregen von einer der ‚Litauischen Balladen’ von Mieckiewicz, einer Erzählung voller Grausamkeiten und mit tragischem Ausgang. Martin Kasik gelang es, das Publikum zu fesseln. Mit unerhört zarten und wehmütigen Melodien, mehr noch mit dramatischen Steigerungen bis zum Ende mit tragischer Wucht. Sein Spiel ist beeindruckend, in den vollgriffigsten Passagen noch durchsichtig.

Mit den 4 Mazurkas op. 24 zeigte uns Martin Kasik einmal mehr seine Verbundenheit mit Chopins Gefühlswelt. Das erste kurze Stück in g-moll spielte er bewusst tänzerisch und folkloristisch, baute jedoch mächtige Ritardandi und Rubati ein. Hinreissend leidenschaftlich die vierte Mazurka – dann zart und träumerisch ausklingend, im reizvollen Hin und Her von Dur und Moll.
Als nächstes Stück hatte Martin Kasik die Sonate "1. X. 1905" seines Landsmanns Leos Janacek ausgewählt. Es ist ein sehr düsteres Stück und erinnert an den Tod eines Mährischen Tischlers anlässlich einer Strassen-Demonstration in Brünn. Das Heroische und schliesslich die Todesstimmung kamen eindrucksvoll heraus.
Schumanns "Kreisleriana" bildete den Höhepunkt und Abschluss der Klavier-Matinee. Die acht balladenhaften Stücke stellen die heftigen Gemütserregungen Robert Schumanns dar, zu einer Zeit, als er um Clara kämpfte. Tobende Stimmungs-Ausbrüche stehen sanften und glückseligen Melodien gegenüber. Martin Kasik hatte alles klanglich und formal perfekt ausbalanciert. Seine Interpretation ist in sich schlüssig in ihrer romantischen Auffassung. Und er verlieh selbst den unscheinbarsten Nebenstimmen ein faszinierendes Gewicht.

Der Applaus der Zuhörer war gewaltig. Und Martin Kasik gab uns eine Zugabe, die "Toccata" von Klement Slavicky, komponiert 1947. Es ist ein irrwitziges Virtuosenstück, das die gesamte Klangbreite des Flügels zum Leuchten bringt. Kasik stürmte durch die grotesk überladene Partitur, so schnell, dass man seine Finger nicht mehr erkennen konnte.

Horst Wiepking

© Chopin-Gesellschaft Hannover e.V.