Ausnahmepianist begeistert im Cavallo Theater
Seit einiger Zeit gilt der chinesische Pianist Haiou Zhang in Hannover als Ausnahmepianist, als Aushängeschild der hiesigen Musikszene. Dass der junge Musiker nicht zu Unrecht mit diesem Attribut etikettiert wird, bewies er in einem Klavierabend auf Einladung der Chopingesellschaft im ausverkauften Saal des Cavallo Theater. Hier bot Zhang dem Publikum eine reiche Palette seines immensen Könnens. Als Auftakt des Abends gestaltete er Mozarts F-Dur Sonate KV 332 mit souveräner Schlichtheit und der nötigen Transparenz. In den darauf folgenden zwei Etüden a-Moll und c-Moll aus op. 25 von Chopin war der Künstler ganz hingegeben an das Agitato und Con Fuoco, wie es der Komponist vorschreibt.
Mit Chopins Des-Dur Prelude op.28, Nr.15, allgemein als „Regentropfenprelude“ bekannt, entfaltete Zhang die Kunst des cantablen Spiels in vollendeter Weise, wobei er, wie auch im Scherzo b-Moll, einen recht großzügigen Umgang mit dem Klangpedal pflegte. Den abschließenden Höhepunkt bildete Liszts große Sonate in h-Moll. Dem hohen Anspruch dieses Werkes mit seinem gigantischen, fast symphonischen Ausmaß wurde Zhang überaus gerecht. Die einleitenden thematischen Grundgedanken dieses kontrastreichen Werkes stellte der Künstler dem Publikum rezitierend und sehr überzeugend vor, um dann ganz in der Vielfalt der Themen und Tempi dieses nahezu unspielbar wirkenden Werkes zu versinken, jedoch ohne die nötige Kontrolle zu verlieren. Trotz atemberaubender Virtuosität hatte sein Spiel nichts vordergründiges oder perkussives.
Ein eigenes Werk als Zugabe ist nicht oft von jungen Künstlern zu hören. Zhang stellte seine Träumerei, eine improvisatorisch anmutende Komposition, vor.
Was mit einem originalen Mozart begann, endete mit einer Bearbeitung des Pianistenkollegen Arcadi Volodos, nämlich dessen kecker, fast übermütiger Bearbeitung des Türkischen Marsches. Genial komponiert und glänzend dargeboten. Besonders wirkungsvoll die Schlussakkorde, welche in einer grandiosen Apotheose mündeten. Bleibt dem Künstler zu wünschen, dass sein Name sich in der internationalen Musikwelt durchsetzt.
Okka Mallek
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