
Geburtstag mit Picknick
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2.2.2010
Die Chopin-Gesellschaft Hannover beginnt das Jubiläumsjahr mit einem außergewöhnlichen Konzert - und hat noch viel vor
Nicht sieben, aber immerhin zwei auf einen Streich: Die Chopin-Gesellschaft Hannover feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag ihres Namenspatrons, des bedeutenden polnischen Komponisten Frédéric Chopin. Gleichzeitig begeht der Kreis engagierter Musikfreunde, der inzwischen rund 400 Mitglieder hat, den 30. Jahrestag seiner Vereinsgründung. Dieses Jubiläumsjahr läutete die Gesellschaft jetzt mit einem stimmungsvoll moderierten Konzert in den Räumen der Solvay-GmbH in Kleefeld ein.
Zu Gast waren, passend zum Anlass, drei mehrfach preisgekrönte Talente aus Polen: am Flügel Bartlomiej Kominek, Anna Armatys am Violoncelle und an der Violine Maria Kominek. Sie wagten ein Experiment und setzten neben der Heimatliebe verströmenden Mazurka a-Moll Op. 17 und dem viel gespielten Scherzo b-Moll Op. 31 für Solopiano zwei der selten aufgeführten kammermusikalischen Werke Chopins auf das Programm. In der äußerst anspruchsvoll gesetzten Sonate für Violoncello und Klavier ließ Armatys am Cello zwar hin und wieder Leichtigkeit vermissen, doch der Zusammenklang beider Instrumente überzeugte. Äußerst brillant gelang hingegen das Klaviertrio g-Moll. Die drei Instrumentalisten musizierten in wunderbarer klanglicher Harmonie. Das außergewöhnliche Programm war ein Erfolg.
Noch sieben weitere Konzerte hat die Chopin-Gesellschaft in den kommenden Monaten geplant: Darunter ist ein Klavierabend mit der in Rumänien geborenen Pianistin Luiza Borac am 12. März in der VGH, Schiffgraben 4. Ein Matineekonzert mit Picknick auf dem Gut Großgoltern ist am 13. Juni um 11.30 Uhr geplant. Die musikalische Begleitung übernimmt Jinsang Lee, der im vergangenen Jahr den internationalen Klavierwettbewerb "Concours Géza Anda" gewonnen hat. Im Georgengarten findet am 22. August um 15 Uhr ein Open-Air-Konzert mit Picknick statt. Zu hören sind dann das Junge Sinfonie Orchester Hannover mit den Solisten Won Kim (Klavier) und Angelos Kritikos (Posaune).
Den Abschluss des Jubiläumsjahres übernimmt Aimo Pagin, der bereits öfter bei der Gesellschaft zu Gast gewesen ist. Angekündigt ist für den 5. Dezember im Sprengel Museum ein Abend mit einer breiten Palette von Chopins Walzern.
Jubiläumskonzert zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin
Text von: Okka Mallek
Hannover, 30.01.2010
Mit einem festlichen Konzert eröffnete die Chopin-Gesellschaft ihre diesjährige Saison. Anlässlich des 200. Geburtstages von Frédéric Chopin und des 30 jährigen Bestehens der Gesellschaft stand der Abend unter einem ganz besonderen Zeichen.
Drei ausgewählte Musiker aus Polen, Chopins Heimat, waren zu Gast und gestalteten diesen Abend mit einem abwechslungsreichen Kammermusik- und Soloprogramm. Zur Besonderheit des Abends gehörte auch die Moderation durch den Dozenten und Medienberater Jürgen Christ, der das Leben Chopins kurzweilig und informativ skizzierte und sich dabei erfreulicherweise nicht auf musikwissenschaftliche Themen, sondern auf den Menschen Chopin konzentrierte.
Dann spielten die Cellistin Anna Armatys und der Pianist Bartłomiej Kominek die Cellosonate in g-Moll. Mit solidem handwerklichen Können gestalteten beide das sehr anspruchsvolle viersätzige Werk. Etwas zurückhaltend, fast spröde, wirkte der Einleitungssatz, und das Scherzo hätte mehr Keckheit und großen Atem vertragen. Der dritte Satz überzeugte jedoch durch expressive Gestaltung und Tongebung.
Nach der Pause, die mit Fingerfood und Wein zu einer kleinen Jubiläumsfeier erweitert wurde, spielte Kominek die Mazurka a-Moll op. 17/4. Eine der intimsten und anrührendsten unter den wundervollen Mazurken, in der Chopins Liebe zu seiner Heimat ihren unverkennbaren Ausdruck findet. Kominek gestaltete ganz innig und zeigte sich als Meister des Pianissimospiels. Insgesamt war sein Spiel sehr intellektuell und in hohem Maße kontrolliert. Selbst beim b-Moll Scherzo, einem der beliebtesten und meist gespielten Werke, verließ der promovierte Musiker niemals das akademische Spiel.
Zu den wenigen Kammermusikwerken Chopins gehört das Klaviertrio in g-Moll. Zusammen mit der Geigerin Maria Kominek erklang zum Abschluss des Abends dieses Werk, in dem alle drei Musiker ausgezeichnet ihren Part beherrschten. Als Zugabe spielte Bartłomiej Kominek das Prélude Nr. 24, d-moll.
Bartłomiej Kominek, Klavier, wurde 1973 in Warschau geboren. Er begann seine musikalische Ausbildung im Alter von 6 Jahren an der staatlichen Frédéric Chopin Musikschule in Warschau und gewann gleich vier Mal ein Stipendium der Frédéric Chopin Stiftung. Er ist Preisträger der Wettbewerbe der Musikschulen in Warschau und des Nationalen Wettbewerbs von Białystok, wo er auch den Preis für die besten Bach- und Chopin- Interpretationen gewann.
Er setzte sein Studium fort bei Prof. Paweł Skrzypek und Prof. Eugeniusz Knapik an der Musikakademie Kattowitz und bei Prof. Janusz Olejniczak an der Musikakademie Krakau. Des Weiteren besuchte er Meisterkurse bei so namhaften Klavierpädagogen wie Andrzej Jasiński, Oxana Jablonska, Lee Kum Sing und Ryszard Bakst.
Bartłomiej Kominek erwarb zahlreiche Preise und Auszeichnungen in Polen, Schweden, Schottland und England. Seine Konzertauftritte führten ihn nach Polen, Deutschland, Frankreich, Ukraine, Spanien, in die Niederlande, Großbritannien und nach Japan, wo er jeweils von Kritikern enthusiastisch gefeiert wurde. Er ist Teilnehmer von Chopin Festivals in Gent (Belgien), Valldemossa und Nohant (Frankreich).
Bereits sehr früh in seiner Laufbahn hat Bartłomiej Kominek sich auch intensiv mit der Kammermusik beschäftigt und ist mit weltbekannten Ensembles aufgetreten. Gegenwärtig unterrichtet Bartłomiej Kominek an der Musikakademie Krakau, wo er in 2005 promovierte.
Maria Kominek, Violine, studierte an der Musikakademie Warschau, an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen und zusätzlich in Verona und besuchte anschließend Meisterkurse für Solo- und Kammermusik. Als Gewinnerin mehrerer Wettbewerbe spielt sie im Gustav Mahler Jugendorchester und als Solistin und Kammermusikerin mit vielen weiteren Orchestern.
Anna Armatys, Cello, graduierte mit Auszeichnung an der Musikakademie Krakau und vollendete Ihre Ausbildung beim Melos Quartett und bei Peter Buck an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Sie ist Gewinnerin namhafter Musikpreise als Solistin und zusammen mit dem Dafô-Streichquartett.