Stehende Ovationen für Luiza Borac
Text von: Okka Mallek
Hannover, 13.03.2010
Die rumänische Pianistin Luiza Borac muß an dieser Stelle nicht näher vorgestellt werden, denn sie ist eine „alte Bekannte“ in der Chopin-Gesellschaft und zudem eine unverkennbare Größe in der Musikwelt. Als im Foyer der neuen Hauptverwaltung der VGH am Schiffgraben ein Konzert mit Luiza Borac angekündigt wurde, gab es bald die Nachricht vom ausverkauften Haus. Die glücklichen Konzertbesucher konnten einen musikalischen Hochgenuss und darüber hinaus eine anrührende Begegnung der Künstlerin mit „ihrer“ Chopin-Gesellschaft erleben. „Mein Lebensweg wäre ohne die Chopin-Gesellschaft anders verlaufen“, betonte Luiza Borac in ihren Worten und dankte insbesondere der ehemaligen Präsidentin, Frau Beate Geiseler, für ihr Engagement und ihre Starthilfe, die sie der Künstlerin in den Anfangsjahren ihrer Karriere zuteil werden ließ.
Nach den Begrüßungsworten des Hausherrn, Herrn Dr. Pohlhausen, und der Präsidentin, Frau Sookie Schober, und einer launigen Moderation durch Prof. Jürgen Christ, spielte Luiza Borac zunächst neun Transkriptionen von Franz Liszt über bekannte Schubertlieder. Hochvirtuos und dennoch kantabel zu spielen, diese Gratwanderung gelang der Künstlerin. Mit geradezu poetischem Klangempfinden setzte sie Akzente und verdeutlichte die Dramatik des Liedtextes, wie zum Beispiel im „Erlkönig“ oder im „Gretchenlied“.
Die Alt-Wiener Tanzweisen „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ sind von Fritz Kreisler für Violine und Klavier komponiert und erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch Sergei Rachmaninoff war von diesen spritzigen Kleinoden sehr angetan. Nachdem er sie selbst mit Kreisler gespielt hat, transkribierte er sie zu virtuosen und technisch brillanten Feuerwerken. Luiza Borac hatte offensichtlich viel Freude daran, ihr großes pianistisches Können in diese Werke zu legen.
Die Etüden Op.25 von Frédéric Chopin sind eine Herausforderung für jeden Pianisten und es tut gut, diese Stücke nicht ausschließlich als technische Bravourstücke zu erleben. Luiza Borac wählte Tempi, die ein Herausarbeiten einzelner Stimmen möglich und hörbar machte und hatte Mut zu großen agogischen Freiheiten, was diesen Werken sehr viel Charme verleiht.
Tosender Applaus, stehende Ovationen und als Zugabe zwei Etüden von Chopin, Op.10 Nr.3 und Nr.12, rundeten einen gelungenen Konzertabend ab.
Luiza Borac ist eine stille, markante Größe in der internationalen Klavierszene. Spektakuläre Gewinnerin des BBC Music Magazine Award 2007 sowie weiterer rund 30 internationaler Preise und Auszeichnungen, darunter zahlreiche Erste Preise, besticht sie durch ihre souveräne Bühnenpräsenz, ihre leidenschaftlichen Interpretationen und eine erstaunliche Technik.
Die gebürtige Rumänin begann ihre Musikausbildung mit 4 Jahren und erlangte ihr Abitur am „George Enescu Musikgymnasium“ für Hochbegabte in Bukarest, und schloss dann an der Musikakademie Bukarest mit der höchsten Auszeichnung ab. Nach der rumänischen Revolution ermöglichte ihr das Stipendium der Chopin-Gesellschaft Hannover das weitere Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, wo sie mit höchsten Auszeichnungen abschloss und mehrere Jahre als Assistentin von Professor Karl-Heinz Kämmerling arbeitete. Meisterkurse an der Juilliard School of Music New York, der Como International Piano Foundation, den Holland Music Sessions und der Salzburger Internationalen Sommerakademie vervollständigten ihre Ausbildung.
Von den Musikkritikern als „Virtuosin von erstaunlicher Brillanz“ und „poetische Künstlerin“ (Joachim Kaiser, Süddeutsche Zeitung) bezeichnet, konzertiert Luiza Borac regelmäßig in Europa und den USA. Luiza Borac spielte mehrere Benefizkonzerte für die Straßen- und Waisenkinder Rumäniens. Im Februar 2009 folgte Luiza Borac der Einladung des Organisationskomitees des Internationalen Klavierwettbewerb Gina Bachauer, als „Musik-Botschafterin“ im Rahmen des Projektes „Music-In-Our-Schools“ zu wirken, wo sie ca. 3000 Kinder für klassische Musik begeisterte.
2009 erschien das Chopin Album von Luiza Borac, eine Hommage an Luiza Boracs langjährigen Produzenten und Förderer John Barnes. Am 20. September 2009 spielte Luiza Borac die Welt-Uraufführung einer von Robert Schumanns neu entdeckter Komposition. Nach 10 Jahren als Steinway-Exklusiv-Künstlerin wurde Luiza Borac 2009 auf der „Steinway Wall of Fame“ aufgenommen.
| Franz Schubert |
Lieder |
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- Bearbeitungen für Klavier Solo von Franz Liszt |
| Fritz Kreisler |
Alt-Wiener Tanzweisen |
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- Konzerttranskriptionen von S. Rachmaninoff |
| Frédéric Chopin |
12 Etüden op.25 (1836) |
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