Romantik und Impressionismus in Wort und Klang
Text von: Okka Mallek
Hannover, 25.04.2010
Es ist erfreulich, dass sich besondere Formen von Aufführungen immer mehr durchsetzen. So auch in der Chopingesellschaft, die mit der Pianistin Guoda Gedvilaité und der Schauspielerin Marie-Kristien Heger einen anspruchsvollen Klavier - und Lyrikabend im hannoverschen Kestnermuseum veranstaltete.
Eine Auswahl vorwiegend der „Neuen Gedichte“ des Lyrikers Rainer Maria Rilke wurde im Wechsel mit thematisch abgestimmten Musikwerken von den Künstlerinnen mit viel Einfühlungsvermögen dargeboten. Heger rezitierte ohne Pathos, ohne Manieriertheit, jedoch mit großem Ernst und Verständnis für die innere Dramatik, die den Werken Rilkes zu eigen ist. Von Sehnsucht, Hoffnung, Leidenschaft und Resignation ist vielfach die Rede, und musikalische Entsprechungen lassen sich in Debussys „Estampes“, Liszts „Liebestraum“ – etwa auf das Gedicht „Liebesanfang“ oder Poulencs „Les Chemins de l´Amour“ als Antwort auf „Liebesleid“ durchaus finden. Letzteres, wie auch der „Schwan“ von Saint-Saens wurde in einer glanzvollen, virtuosen Bearbeitung durch die Pianistin hervorragend interpretiert. Besonders aber Moszkowskys „Etincelles“ gelang mit perlender Leichtigkeit durchsichtig und filigran, hier war das Gedicht „Kindheit“ vorangegangen.
Einen besonderen Höhepunkt bildete die synchrone Darstellung des Gedichtes „Die Kathedrale“ mit Debussys Prelúde „La cathédrale engloutie“. Während das Gedicht von Demut vor der Erhabenheit der Kathedralen spricht, drückt Debussys Werk mit groß angelegten, Glocken imitierenden, Akkordketten diese Monumentalität aus. Beide Künstlerinnen wurden dem Anspruch der vorgetragenen Werke mit großer Professionalität gerecht.
Zum Abschluss erklang Rachmaninows Prelúde B-Dur als Entsprechung zu „Das Karussell“ und dem begeisterten Publikum gelang es danach, eine Zugabe herauszufordern. Mit der „spanischen Tänzerin“ und Granados “Playera“ verabschiedeten sich zwei sehr sympathische Künstlerinnen.
Guoda Gedvilaité ist eine renommierte Pianistin aus Litauen. tritt aber auch in ganz Europa, Nord Amerika und Japan auf. In den letzten Jahren wurde sie zu verschiedenen Festivals eingeladen, wo sie gemeinsam mit David Geringas aufgetrat. Sie konzertierte auf weiteren Festivals in den USA, Canada, Frankreich, Österreich, Litauen und Italien.
Guoda Gedvilaite wurde mehrfach bei internationalen Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet: Oberlin und Cinncinati (USA, 1990), „Scheveningen“ (Niederlanden, 1995). In 1995 erhielt sie den 1. Preis beim internationalen „Ciurlionis“ Klavierwettbewerb in Vilnius (Litauen) und im Jahr 1997 den 1. Preis beim internationalen „Rubinstein“ Wettbewerb in Paris. Im Jahr 1998 hat sie weitere Auszeichnungen beim DAAD Wettbewerb in Frankfurt und von der Chopin-Gesellschaft Hannover bekommen.
Im Jahr 2000 feierte Guoda Gedvilaite einen großen Erfolg als sie bei dem internationalen „Ennio Porrino“ Klavierwettbewerb in Cagliari (Italien) den 1. Preis erhielt.
Guoda Gedvilaite hat ihre musikalische Ausbildung an der Musikakademie Vilnius bei Prof. Veronika Vitaite und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main beim Prof. Lev Natochenny erhalten.
Seit dem Jahr 2002 leitet Guoda Gedvilaite selbst Internationale Meisterklassen und unterrichtet im Fach Klavier an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main. Seit 2009 übernimmt sie die künstlerische Leitung für „Arte di Piano“ – Podium für junge Pianisten in Frankfurt/Taunus.
Marie-Kristien Heger - Studierende an der HMTH im Fach Schauspiel
Bisherige Engagements Theater: Metamorphosen | 2009 | Regie: E. Berias Studotheater Hannover Wie werde ich reich und glücklich | 2008 | Regie: S. Frey | Studiotheater Hannover Romeo und Julia | Staatstheater Oldenburg | Rolle: Julia Hexenjagd | Staatstheater Oldenburg | Rolle: Mercy
Programm
Mit Gedichten von Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)
| Gedichte |
Musik |
| In einem fremden Park |
Debussy – Pagodes aus „Estampes“ |
| Abend |
Debussy- La Soirée dans Grenade aus „Estampes“ |
| Römische Fontäne |
Debussy - Jardins sous la pluie aus „Estampes“ |
| Liebesanfang |
Liszt - Liebestraum Nr.3 |
| Liebeslied |
Poulenc/Gedvilaité - „Les Chemins de l’Amour" |
| Abschied |
Ravel – Pavane pour une infante défunte |
| Kindheit |
Moszkowsky - Etincelles |
| Der Engel |
Chopin - Berceuse Op.57 |
| Der Panther |
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| Der Schwan |
Saint-Saens, Der Schwan „Le Carnaval des Animaux“ |
| Die Kathedrale |
Debussy - La Cathédrale engloutie“ |
| Das Karussell |
Rachmaninoff - Prelude B-Dur |
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