
Matineekonzert im Rittergut
Text von: Okka Mallek
Hannover, 13.06.2010
Wie in jedem Jahr zu Beginn des Sommers, lud die Chopin-Gesellschaft Mitglieder und Musikfreunde zu einem Matineekonzert mit anschließendem Picknick ein. Im idyllischen Rittergut Großgoltern spielte der erst kürzlich mit dem Konzertdiplom der Kölner Musikhochschule ausgezeichnete und bereits mehrfach preisgekrönte koreanische Pianist Jinsang Lee ein Programm, das ausschließlich den beiden Geburtstagsjubilaren dieses Jahres, Chopin und Schumann, gewidmet war.
Mit brillanter Technik und ausgeprägtem Gespür für zarte Klangfarben eroberte sich der 1981 geborene Lee nach anfänglicher „Aufwärmphase“ die Herzen des Publikums. Während Chopins Introduktion und Rondo eher verhalten und auch die beiden Nocturnes op. 15 noch ganz introvertiert und mit zartestem Ausdruck gestaltet wurden, spielte Lee die drei Mazurken op. 59 mit dem nötigen Temperament, und besonders in den Variations brillantes konnte er seine enorme Technik unter Beweis stellen.
Die C-Dur Fantasie op. 17 von Robert Schumann entstand 1836 und ist ein groß angelegtes dreiteiliges Werk, das eine umfangreiche Palette an Stimmungen, von zartesten Empfindungen bis zum stürmischen Drängen, in sich birgt. Lee spielte dieses Werk nach der Pause und glänzte durch meisterhafte Gestaltung und überzeugende Interpretation. Trotz häufiger Tempo- und Dynamikwechsel, wie es der Komponist vorschreibt, gelang es dem Künstler, eine Geschlossenheit herzustellen. „Durchaus phantastisch und leidenschaftlich vorzutragen“, lautet Schumanns Vorgabe und es ist nicht zu verkennen, dass dieses Werk unter dem Eindruck des jahrelangen Kampfes um seine geliebte Clara entstand. Hierauf weisen auch die immer wiederkehrenden Anklänge an Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ hin.
Um zwei Zugaben ließ Lee sich nicht lange bitten. Schumanns „Chopin“ aus dem Carnaval und Chopins Walzer brillante waren frisch, schwungvoll und wie selbstverständlich hingeworfen.
Ein köstliches und reichhaltiges Büfett im herrlichen Park des Gutes war eine willkommene Ergänzung dieses Konzertgenusses.
Jinsang Lee
Der 1981 in Seoul, Südkorea geborene Jinsang Lee begann seine Ausbildung 1999 an der Korean National University of Arts bei Professor Dae Jin Kim, wo er mit dem Bachelor abschloss. Von 2003 bis 2006 studierte er an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg, wo er sein Diplom bei Professor Wolfgang Manz und bei Julia Goldstein erwarb. Seit 2006 ist er in der Klasse von Prof. Pavel Giliov an der Hochschule für Musik in Köln und bereitet sein Konzertdiplom vor.
Im Juni 2001 gewann Jinsang Lee den 2. Preis bei der "Sendai International Music Competition" und in den Jahren 2005 und 2008 jeweils die 1. Preise beim "Internationalen Klavierwettbewerb Köln" und bei der "Hong Kong International Piano Competition". Seinen bisher größten Erfolg konnte Jinsang Lee allerdings im Juni 2009 als Gewinner des mit 30.000 Schweizer Franken dotierten "Concours Géza Anda" feiern. Lee gewann dort darüber hinaus auch den Mozart-, den Schumann- sowie den Publikumspreis des Wettbewerbs.
In den Jahren 2001 bis 2008 konnte Jinsang Lee eine rege Konzerttätigkeit mit verschiedenen Orchestern vorweisen. Er spielte mit den Nürnberger Symphonikern, dem WDR-Rundfunkorchester Köln, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Shanghai Philharmonic Orchestra und dem Zürcher Kammerorchester.
Für die kommende Saison sind u.a. Konzerte mit der Württembergischen Philharmonie im Kultur- und Kongresszentrum Luzern, dem Wiener Kammerorchester, dem Berner Symphonieorchester, dem Konzerthaus-Orchester Berlin, dem KBS Symphony Orchestra in Südkorea und dem Tonhalle-Orchester Zürich geplant.
| |
Frédéric Chopin |
Introduktion und Rondo op. 16 |
| |
|
Nocturnes op. 15 Nr. 1 und 2 |
| |
|
Mazurkas op. 59 Nr. 1, 2 und 3 |
| |
|
Variations brillantes op. 12 |
| |
|
|
| |
Robert Schumann |
Fantasie C-Dur op. 17 |
|