
Hochkarätiges unter freiem Himmel
Text von: Okka Mallek
Hannover, 22.08.2010
Wenn die hannoversche Chopin-Gesellschaft zum Open-Air-Konzert auf die Wilhelm-Busch-Wiese in den Georgengarten einlädt, sind mehr als 5.000 Musikliebhaber unterwegs, um an diesem bereits seit 22 Jahren stattfindenden Ereignis teilzunehmen. So war es auch in diesem Jahr an einem Augustsonntag, der, trotz warmer Temperatur, bereits den Spätsommer ahnen ließ. Mit Decken, Klappstühlen und Picknickkörben ausgestattet und in bester Stimmung, lauschte jung und alt den Klängen klassischer Musik. Besonders erfreulich war die Anzahl der jugendlichen Besucher.
Bevor sich jeder gemütlich installierte, war ein Lärmen und rege Unterhaltung hörbar, doch schon bei den ersten Takten der Ouvertüre „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner, verstummten Gespräche und wichen einem aufmerksamen Zuhören des unter dem Dirigat des erfahrenden Orchesterleiters Tobias Rokahr temperamentvoll musizierenden Jungen Sinfonieorchesters. Rokahr hatte seine Musiker gut im Griff, forderte rhythmische Präzision und dynamische Vielfalt.
Ein äußerst populäres und in seiner folkloristischen Schlichtheit überzeugendes Werk ist die Karelia-Suite von Jean Sibelius. Besonders in der zarten und anrührenden Ballade im Tempo di Menuetto, dem zweiten Satz der Suite, überzeugte das Orchester durch einen homogenen Streicherklang.
Nach diesen zwei einleitenden Orchesterwerken ging es dann hochkarätig weiter mit Solokonzerten. Zunächst glänzte der griechische Posaunist Angelos Kritikos mit Ferdinand Davids Concertino für Posaune und Orchester. Eigentlich war David Violinvirtuose, doch sein Posaunenkonzert in Es-Dur op. 4 ist aus der Posaunenliteratur nicht wegzudenken und Angelos Kritikos bestätigte dies mit seiner virtuosen Interpretation des Werkes.
Nach der Pause galt es, den Namenspatron und Geburtstagsjubilar Frédéric Chopin zu ehren. Won Kim, koreanischer Pianist und nach seinem Studium in New York, Salzburg und Hannover in seiner Heimatstadt Seoul als Professor für Klavier lehrend, spielte das 1. Klavierkonzert von Chopin mit souveräner Leichtigkeit, dennoch kraftvoll und geschmeidig in der Tongebung. Tosender Applaus entlockte als Zugabe die virtuose Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt.
Auf den 21. August 2011, an dem das nächste Open-Air-Konzert der Chopin-Gesellschaft stattfindet, dürfen Liebhaber anspruchsvoller Musik sich schon heute freuen.
Kim Won erhielt im Alter von acht Jahren in seiner Geburtsstadt Seoul den ersten Klavierunterricht von seinem Vater. Bereits mit zwölf Jahren gab Won Kim zusammen mit dem Seoul Philharmonic Orchestra sein erstes Konzert und ging anschließend für ein Studium an der Juilliard School nach New York. Er studierte weiter an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. Hans Leygraf und Prof. Christoph Lieske an der Universität Mozarteum in Salzburg und bei Prof. Arie Vardi an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover.
Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe, gewann Kim Won unter anderem den ersten Preise beim Maria Canals Internationalen Musikwettbewerb (1995), und beim St. Charles Internationalen Klavierwettbewerb (2001) sowie den dritten Preis beim William Kapell Internationalen Klavierwettbewerb (2003), wo The Washington Times ihm „eine wahrhaft makellose und aufregende Darbietung“ von Werken mit „teuflischen Komplexitäten“ bescheinigte.
Er wurde durch mehrere Stipendien gefördert (Gina Bachauer Stipendium, Bösendorfer S, Stipendium der Chopin Gesellschaft) und 1999 auf dem Ravinia Festival zu einem der jungen Künstler des Steans Institute gewählt.
Kim Won ist laut The New York Newsday ein Pianist aus „Feuer und Stahl“ mit „exzellenter Technik, feurigem Temperament und mit einem beeindruckenden Gefühl für Rhythmen.“ Auf den Bühnen der Welt zu Hause, gab der koreanischer Pianist bereits zahlreiche Konzerte in den USA, Europa und Korea. In der Schweiz. In den USA, in Rumänien und Korea wurden seine Auftritte in Rundfunk und Fernsehen übertragen.
Angelos Kritikos, 1987 in Korfu, Griechenland geboren und aufgewachsen, begegnete bereits im Alter von 15 Jahren seinem aktuellen Lehrer, Jonas Bylund, bei einem großen Blechbläser-Treffen in Korfu. Seit 2006 studiert er Posaune an der HMT in Hannover. Soeben wurde er Solo-Posaunist bei den Bamberger Symphonikern. Angelos gewann im Sommer letzten Jahres den 1. Preis beim internationalen Aeolus-Wettbewerb für Bläser in Düsseldorf.