
Außergewöhnliche Klänge lassen aufhorchen
Text von: Okka Mallek
Hannover, 02.10.2010
Einen Konzertabend mit außergewöhnlichen Klängen veranstaltete die Chopin-Gesellschaft in dem neuen, architektonisch beeindruckenden Gebäude der VHV-Hauptverwaltung: einen Klavierabend mit Posaunen. Allein diese Kombination ist interessant und die ganze Performance eine ungewöhnliche Idee.
Das Posaunenensemble „Trombone Unit Hannover“ unter der Leitung von Jonas Bylund, platzierte sich in dem durchsichtigen und filigran wirkenden Treppenhaus nach Art venezianischer Mehrchörigkeit. Bylund, der vom Erdgeschoß aus dirigierte, verglich in seiner launigen Moderation den hochmodernen Gebäudekomplex dann auch mit einem kleinen Augenzwinkern mit San Marco. Drei Werke der Renaissance wurden von dem Ensemble stilistisch und klanglich überzeugend interpretiert.
Mit viel Humor und schauspielerischem Talent überraschten die Posaunisten im zweiten Teil des Abends mit dem skurrilen „Bolos“ der Komponisten Bark/Rabe. Hier wurden die Instrumente in ihre Einzelteile zerlegt, mittels Mundstücken konferiert und mit Dämpfern Lautmalerei betrieben. In seiner Konsequenz und Fantastik ist das Werk erstaunlich und zaubert auf jeden Fall ein Schmunzeln herbei.
Außergewöhnlich ging es weiter mit dem polnischen Pianisten Hubert Rutkowski, der bereits vor zwei Jahren mit seinem poetischen Klangempfinden und seiner makellosen Musikalität das Publikum fesselte. Wie vor zwei Jahren hat sich Rutkowski auch diesmal wieder den Werken Chopins und seiner Schüler gewidmet und es kamen Komponisten wie Carl Filtsch, der bereits im jugendlichen Alter verstarb und dennoch Bemerkenswertes hinterlassen hat, zu Gehör. Auch Werke von Adolf Gutmann, dem Norweger Tellefsen oder Karol Mikuli zeugen von großer Originalität und enormen technischen Herausforderungen. Rutkowski gelang es, ein Bild der geistigen und musikalischen Ära um Chopin zu zeichnen. Sein stets nobles und brillantes Spiel ist auch bei schwierigen und vollgriffigen Passagen völlig anstrengungslos und immer überzeugend.
Bei einem delikaten Büfett auf Einladung der VHV hatten die Gäste der Chopin-Gesellschaft nach dem Konzert Gelegenheit, sich über die vielen Eindrücke auszutauschen und einen überaus gelungenen Abend gesellig ausklingen zu lassen.
Hubert Rutkowski
hat als erster Pianist in der Geschichte eine Plattenaufnahme
der Klavierwerke des polnischen Komponisten Julian
Fontana, des groβen Freundes und Schülers F.
Chopins, sowie die erste polnische Plattenaufnahme
der Musik von Theodor Leschetizky für den Acte
Préalable Verlag eingespielt (2007, 2008). Seitdem gibt
er Konzerte in Europa, Russland, Japan, USA, Südamerika, Kuba und Zypern. Seine Interessen
konzentrieren sich auf unbekannte
Werke der Schüler von F. Chopin. Hubert Rutkowski
hat die CD Aufnahme "Pupils of Chopin" mit Werken
der Chopin-Schüler Thomas D. A. Tellefsen, Carl
Filtsch, Karol Mikuli, Adolf Gutmann für das Label
NAXOS eingespielt (2010).
Hubert Rutkowski ist Absolvent der Musikakademie F.
Chopin in Warschau, in der Klasse von Prof. Anna
Jastrzębska-Quinn. Nach dem Abschluss hat er
sein Doktorstudium bei Prof. Alicja Paleta-Bugaj absolviert.
Parallel hat er das Konzertexamen
Aufbaustudium an der Hochschule für Musik und
Theater in Hamburg in der Klasse von Prof. Evgeni
Koroliov abgeschlossen (2005-2010).
Er erhielt mehrere Preise bei internationalen und
inländischen Klavierwettbewerben, u.a.: Hauptpreis –
Chopinwettbewerb in Hannover (2007); II. Preis – 15.
Wettbewerb "Elise Meyer" in Hamburg (2006);
Auszeichnung "Medalla per Unanimitat" – 52.
Internationaler Klavierwettbewerb von Maria Canals
in Barcelona (2006); I. Preis – Polnischer
Klavierwettbewerb in Warschau (2000); III. Preis –
Internationaler Klavierwettbewerb von Frédéric
Chopin in Vilnius (1999).
Hubert Rutkowski nahm an vielen renommierten
Meisterkursen teil, die unter der Leitung von berühmten
Musikkünstlern stattfanden, wie: Halina
Czerny-Stefańska, Andrzej Jasiński, Wiera
Gornostajewa, Piotr Paleczny, Hiroko Nakamura, Piero
Rattalino, Michel Beroff und Arie Vardi.
Hubert Rutkowski ist Gründer und Präsident der
Theodor Leschetizky-Musikgesellschaft in Warschau.
Seit April 2010 ist er Professor an
der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
Das Posaunenensemble der HMTH setzt sich aus Stundenten der Klasse von Prof. Jonas Bylund zusammen. Viele der Mitglieder sind Preisträger nationaler und internationaler Wettbewerbe. Zu nennen wäre da u.a. der "Internationale Musikwettbewerb der ARD“ in München und der „ Deutsche Musikwettbewerb“ in Berlin. 2006 wurde das Ensemble mit dem „ Emory Remington Award“ der „International Trombone Asociation“ als bestes Posaunenensemble ausgezeichnet. Das Repertoire reicht von Werken alter Meister, über die Romantik bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. Besonders durch hervorragende Arrangeure aus den Reihen der Musiker ist das Ensemble in der Lage ein breit gefächertes Repertoire zu präsentieren.
Programm
„Chopin und seine Schüler“
Frédéric Chopin |
Nocturne fis-moll op. 48 Nr 2 |
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4 Mazurken op. 30 |
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Ballade in g-moll op. 23 |
Karol Mikuli |
Polonaise g-moll op. 8 Nr 1 |
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Dix Pieces pour Piano op. 24 Nr 7, 8, 9 und 10 |
T. D. A. Tellefsen |
Valse Des-Dur op. 27 |
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Impromptu G-Dur op. 38 |
Adolf Gutmann |
Nocturne As-Dur op. 8 nr 1 |
Carl Filtsch |
Impromptu Ges-Dur |
Das Posaunenensemble spielt u.a. Werke von Frédéric Chopin,
Gordon Jacob, Peter Warlock und Maurice Ravel |
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