
„Die Seele der Musik ist für kurze Zeit auf die Erde gekommen“
Aimo Pagin im Beethovensaal mit Chopin-Walzern
Text von: Okka Mallek
Hannover, 31.10.2010
Die Chopin-Gesellschaft Hannover veranstaltete in Zusammenarbeit mit der KPMG ihr siebtes Konzert dieses Jahres im Beethovensaal. Es war eine gute Entscheidung, einen großen, repräsentativen Rahmen für dieses Ereignis zu wählen, denn nahezu alle Plätze waren besetzt.
Die Ankündigung, dass Aimo Pagin Walzer von Chopin spielen und Jürgen Christ dieses Konzert moderieren wird, war ein besonderer Anreiz zum Kommen. Wie der Begeisterung des Publikums zu entnehmen war, wurde auch niemand enttäuscht – im Gegenteil, ein Konzert mit so viel Esprit, fachkompetenter Information und exzellenter Pianistik ist nicht ganz selbstverständlich.
Nach den Begrüßungsworten durch die Präsidentin der Chopin-Gesellschaft und der Vorstandsvorsitzenden der KPMG erläuterte der Moderator Prof. Jürgen Christ kurzweilig und höchst amüsant die Geschichte des Walzers von seinen Anfängen als mittelalterlichem Bauerntanz über die Wiener Ballkultur bis zum stilisierten, konzertanten Salonstück aus der Feder des großen Meisters Frédéric Chopin – von dem der Pianist Aimo Pagin sagt, dass „die Seele der Musik für kurze Zeit auf die Erde gekommen ist“. Den Beweis für diese Aussage blieb er nicht schuldig. Sein beseeltes, immer wieder die klanglichen und agogischen Feinheiten dieser meisterhaften Kleinodien aufs Feinste auslotendes Spiel ist seine große Stärke. Mit großer Präzision, stets kontrolliert, ohne Manieriertheit aber dennoch voller Leidenschaft und Empfindsamkeit bot Pagin ein breites Spektrum seines Könnens. Mal schwärmerisch oder verführerisch, dann wieder virtuos oder auch nachdenklich – Chopins Miniaturen lassen dem Pianisten viel Freiraum für seine Interpretation. Pagin fand für jeden Walzer die passende Stimmung und spannte dennoch einen großen verbindenden Bogen über das Gesamtwerk.
Begeisterter Applaus und Bravorufe entlockten dem Pianisten den Walzer in Des-Dur op.70, Nr.3 und als Krönung den bereits zuvor gehörten, hinreißend schönen, posthum erschienenen e-Moll Walzer.
Aimo Pagin wurde 1983 in einer Musikerfamilie geboren und begann mit sieben Jahren seine Klavierausbildung am Konservatorium in Strassburg; danach studierte er am Konservatorium in Colmar bei Prof. Rena Shereshevskya, wo er die Diplomprüfung in Klavier, Musiktheorie und Kammermusik mit großem Erfolg ablegte. Ab 2001 besuchte er dann in Genf für drei Jahre das Conservatoire Supérieur de Musique, wo er bei Prof. Dominique Merlet sein Diplom als Konzertpianist mit Auszeichnung erwarb. Seine Ausbildung wurde abgerundet durch weiteren Unterricht in den USA bei dem berühmten Klavierpädagogen Leon Fleisher sowie durch zahlreiche Meisterkurse bei bedeutenden Klavierkünstlern, z. B. bei Radu Lupu, Murray Perahia, Andras Schiff, Maria Tipo, John Corigliano und anderen. Aimo Pagin hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Klavierwettbewerben gewonnen, so mit 14 Jahren den ersten Preis beim französischen Musikwettbewerb in Paris, ab 2005 verschiedene Preise in Italien sowie beim italienischen Fernsehen RAI und 2007 in Spanien beim internationalen Ferrol Klavierwettbewerb.
Darüber hinaus spielte Aimo Pagin bereits in den bekanntesten Konzertsälen Europas und der USA, so auch in der Carnegie Hall New York, im Concertgebouw Amsterdam, im Beethoven-Haus Bonn oder in der Societa dei Concerti in Mailand. Bei renommierten Festivals war er zu Gast: so in Paris beim Chopin-Festival, Montpellier, Cap Ferrat, in Armagnac, Holland und Argentinien. Bei der Chopin-Gesellschaft Hannover ist er im Februar 2008 mit größtem Erfolg aufgetreten. Kammermusikalische Erfahrung erwarb er in gemeinsamen Konzerten mit der Cellistin Sonja Wieder-Atherthon in zahlreichen europäischen Städten sowie mit seiner Mutter, der bekannten Violinistin Silvia Marcovici, mit der er verschiedentlich Mendelssohns Doppelkonzert zusammen mit den Bukarester Philharmonikern zu Gehör brachte. Nach seinem phänomenalen Auftritt mit dem Symphonie Orchester Berlin und Liszt erstem Klavierkonzert hat David Zinman von der Tonhalle Zürich ihn jetzt dorthin zu einem gemeinsamen Konzert eingeladen.
Frédéric Chopin
|
Grande valse brillante, Es-Dur op. 18 |
| |
Drei Walzer op. 34 |
| |
Walzer in As-Dur op. 42 |
| |
Drei Walzer op. 64 |
| |
Walzer op. 69 N. 1 "Abschiedswalzer" |
| |
Walzer op. 69 N. 2 |
| |
Walzer op. 70 N. 2 |
| |
Walzer BI 21, As-Dur |
| |
Walzer BI 44, E-Dur |
| |
Walzer BI 56, e-moll |
| |
Walzer BI 133, Es-Dur "Sostenuto" |
| |
Walzer BI 150, a-moll |
|
 |