
Fulminanter Abschluss eines erfolgreichen Jubiläumsjahres
Text von: Okka Mallek
Hannover, 31.10.2010
Zwei außergewöhnlich talentierte junge Musikerinnen, die Sängerin Julia Ebert und die bereits etablierte Pianistin Claire Huangci, beendeten die diesjährige Konzertsaison der hannoverschen Chopin-Gesellschaft am zweiten Advent im ausverkauften Sprengelmuseum.
Claire Huangci, erst 20-jährig, bereits mehrfach international preisgekrönt und in den großen Musikzentren der Welt konzertierend, glänzte mit ihrer kraftvollen und dennoch empfindsamen Chopininterpretation. Besonders die Ballade Nr.1 g-Moll, die Klaviersonate Nr. 2 b-Moll und das Andante spianato et Grande Polonaise brillante scheinen der Pianistin am Herzen und in den Fingern zu liegen. Sehr präzise und mit exzellenter Technik perlten die virtuosen Passagen über die Klaviatur. Das Publikum dankte mit frenetischem Beifall, der die Künstlerin zu zwei Zugaben veranlasste: der gigantischen Carmen-Fantasie von Bizet/Horowitz und Chopins Mazurka Op. 24, Nr. 2 C-Dur, die im Eifer der Virtuosität etwas zu heftig ausgefallen war.
Frédéric Chopin als Namenspatron und Jubilar umrahmte mehrere Arien unterschiedlichster Prägung, die von der 27-jährigen Sopranistin Julia Ebert dargeboten wurden. Julia Ebert studiert Gesang an der Musikhochschule in Rostock und ist Preisträgerin des internationalen Wettbewerbs der Hamel-Stiftung 2010 in Hannover. Mit „Ragion nell´alma siede“, der Arie der Flaminia aus Haydns eher unbekannter Oper Il monde della luna sang sie sich erst einmal warm, um dann nach der Arie „Gualtier Malde Caro nome“ aus Verdis Rigoletto, die etwas mehr Dramatik und weniger Tempo vertragen hätte, die Arie „Les oiseaux dans la charmille“ aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen mit viel Charme sängerisch und szenisch überzeugend zu präsentieren. Für die Commedia dell´arte scheint Julia Ebert besonders prädestiniert.
Viel Beifall belohnte ihre beachtliche Darbietung, die durch die zuverlässige und kompetente Klavierbegleitung von Claire Huangci unterstützt wurde.
Das Konzert vom 5. Dezember 2010 wurde am 7. Dezember 2010 als Benefizkonzert wiederholt. Die Künstlerinnen verzichteten dabei auf ihre Gage und sämtliche Einnahmen kamen der HAZ Aktion Weihnachtshilfe zugute. Ihr Einsatz vor 300 Zuhörern wurde mit frenetischem Applaus und "Standing Ovations" belohnt.
Sensibel im Gewitter
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7.12.2010
Claire Huangci und Julia Ebert bei der Chopin-Gesellschaft
von Ludolf Baucke
Ausverkauft heißt es immer wieder, wenn die Chopin-Gesellschaft Hannover zu Konzerten einlädt und sich dabei für den künstlerischen Nachwuchs engagiert. Das geschah nun auch, als die Pianistin Claire Huangci und die Sängerin Julia Ebert im Sprengel Museum mit Kostproben ihres Könnens brillierten. Erstere hatte im März vergangenen Jahres den von der Chopin-Gesellschaft ausgelobten Klavierwettbewerb gewonnen, und die Sopranistin war im Mai bei dem Gesangswettbewerb der Walter und Charlotte Hamel-Stiftung erfolgreich. Julia Ebert war dort mit einem attraktiven Stipendium dotiert worden und zog das Publikum jetzt mit tadellos geführtem Koloratursopran in den Bann. Sie verkörperte nicht nur Verdis Gilda mit beweglicher Stimme und Offenbachs Olympia mit gebührender Stimmakrobatik, sondern färbte auch die Abschiedsarie aus Massenets "Manon" einfühlsam lyrisch.
Claire Huangcis musikalische Begabung ist vielversprechend. Die Pianistin agierte als sensible Klavierpartnerin und behauptete sich in stärksten Oktavgewittern zum Ende der chopinschen g-Moll-Ballade und in der zugegebenen Carmen-Fantasie. Noch hörenswerter aber wurde die nach diesem Sevilla-Ausflug angestimmte Rückkehr in zarte Mazurkengefilde. Claire Huangci hatte den viel beklatschten Abend mit einem poetischen cis-Moll Nocturne eröffnet und kostete darin den Gegensatz von melodieführender rechter und mit gebrochenen Akkorden stützender linker Hand untadelig aus. Sie klammerte im berühmten Trauermarsch aus der b-Moll Sonate jeden Anflug auf tränenreiche Sentimentalität aus und setzte mit unnachgiebiger Rhythmisierung auf Erhabenheit.
Das Konzert vom 5. Dezember 2010 wurde am 7. Dezember 2010 als Benefizkonzert wiederholt. Die Künstlerinnen verzichteten dabei auf ihre Gage und sämtliche Einnahmen kamen der HAZ Aktion Weihnachtshilfe zugute. Ihr Einsatz vor 300 Zuhörern wurde mit frenetischem Applaus und "Standing Ovations" belohnt.
Claire Huangci wurde vor 19 Jahren in Rochester, New York geboren und erhielt dort mit sieben Jahren den ersten Klavierunterricht. Schon wenige Monate später wurde sie in den amerikanischen Medien als ein Wunderkind mit den „Fähigkeiten eines professionellen Pianisten“ gefeiert.
Während ihrer Zeit als Schülerin an der Settlement Music School (1997 bis 1999) wurde Claire mit einer Reihe von Stipendien ausgezeichnet und gewann zahlreiche Wettbewerbe. Als Gewinnerin der World Piano Competition wurde sie 1999 eingeladen, bei einem Preisträgerkonzert in der Carnegie Hall aufzutreten.
2003 erhielt sie ein Vollstipendium für das Curtis Institute of Music und studierte bei Gary Graffman und Eleanor Sokoloff. In dieser Zeit begann sie, Konzerte mit zahlreichen amerikanischen Orchestern zu geben, darunter das Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch.
Nach Abschluss ihres Studiums am Curtis Institute of Music setzt Claire Huangci ihre musikalische Ausbildung momentan bei Arie Vardi und Karl-Heinz Kämmerling an der Hochschule für Musik und Theater Hannover fort. In 2007 trat sie mit Solorezitalen in München, Frankfurt, Leipzig (Gewandhaus) und Paris erstmals in Europa auf. Zudem debütierte sie mit Griegs Klavierkonzert beim China Philharmonic Orchestra in Beijing.
In der Saison 2008/2009 trat Claire als Solistin in Europa, Afrika, Asien und Amerika auf, darunter im Wiener Konzerthaus, im Mozarteum Salzburg, im Beethovenhaus Bonn und in der Carnegie Hall.Nach einem äußerst erfolgreichen Debut bei den Schwetzinger Festspielen 2009 eröffnete Claire Huangci beim Kissinger Sommer mit dem Präludium-Konzert das Festival. In die Saison 2009-10 startete die junge Pianistin mit Griegs Klavierkonzert an der Tonhalle Zürich, aufgeführt mit dem Tschaikowsky Symphony Orchestra aus Moskau unter der Leitung von Vladimir Fedosseyev.
Im März 2009 gewann Claire den ersten Preis des 12. Internationalen Klavierwettbewerbs der Chopin-Gesellschaft Hannover.
Julia Ebert wurde in Warnemünde geboren und begann im Alter von acht Jahren mit dem Klavierunterricht am Rudolf-Wagner-Regeny Konservatorium in Rostock. Der siebenjährigen Ausbildung folgte mit fünfzehn Jahren der Wechsel zum Gesang. Nach Abschluss des Abiturs studierte Sie drei Semester Philosophie und Religion an der Universität in Rostock.
Seit 2006 studiert die Hanseatin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Sie begann ihr Gesangsstudium im Bereich Pop- Worldmusic bei John Lehman und Christiane Bach-Röhr und wechselte nach ihrem Vordiplom zum klassischen Operngesang. Seit dem 7. Semester studiert sie bei der Sopranistin Carola Höhn.
Julia Ebert konzertierte bei zahlreichen Gesangsabenden und Projekten an der Hochschule sowie bei Konzerten im Rahmen der Yehudi Menuhin Stiftung. Im Sommer 2009 sowie 2010 nahm sie bei Meisterkursen renomierter Opernsängerinnen wie Grace Bumbry und Anna Tomowa -Sintow teil, und konnte sich beide Male solistisch bei den Festspielen Mecklenburg- Vorpommern mit der polnischen Kammerphilharmonie präsentieren. Am 16. Oktober 2009 debütierte die Sopranistin als Clarice in der Oper „Il mondo della luna“ von Joseph Haydn.
Bei der Walter- und Charlotte Hamel-Stiftung in Hannover, konnte Sie sich im Mai 2010 in einem internationalen Gesangswettbewerb beweisen und ist Preisträgerin des einjährigen Stipendiums und des Publikumspreises, der am Konzertabend vergeben wurd |