7 | Klavier­abend mit Cello


Beet­ho­ven-Duo mit Werken der Wiener Klas­sik und Roman­tik

Text von Okka Mallek
Hanno­ver, 16.11.2011

In Zusam­men­ar­beit mit der KPMG veran­stal­te­te die Chopin­ge­sell­schaft Hanno­ver einen Konzert­abend im Beet­ho­ven­saal. Mitglie­der, Mandan­ten, Geschäfts­freun­de und Gäste waren gela­den sowie Vorstands­mit­glie­der der Inter­na­tio­na­len Chopin Fede­ra­ti­on, die zuvor in Hanno­ver tagten. Der Saal, bestens geeig­net für kammer­mu­si­ka­li­sche Auffüh­run­gen, war nahe­zu gefüllt.

Als Künst­ler präsen­tier­te sich das Beet­ho­ven-Duo mit Alina Kaba­no­va, Piano und Fjodor Elesin, Violon­cel­lo. Zwei hervor­ra­gend aufein­an­der einge­spiel­te und virtuo­se Künst­ler, wie sich schon nach weni­gen Takten heraus­stell­te. Das Programm der beiden jungen Musi­ker bestand aus tech­nisch und musi­ka­lisch anspruchs­vol­len Werken für Cello und Klavier.

Die drit­te Sona­te für Klavier und Cello, wie Beet­ho­ven selbst die Reihen­fol­ge der Instru­men­te fest­leg­te, ist wohl die belieb­tes­te und meist­ge­spiel­te der fünf Sona­ten dieser Gattung aus Beet­ho­vens Schaf­fen. Das Klavier bekommt in diesem melo­di­en­rei­chen und formal ausla­den­den Werk eine bedeu­ten­de Rolle zuge­wie­sen und darf sich keines­wegs als Begleit­in­stru­ment verste­hen. Alina Kaba­no­va füll­te diesen Part mühe­los und über­zeu­gend aus, eine groß­ar­ti­ge Solis­tin mit Gespür für den Part­ner. Fedor Elesin stand seiner Klavier­part­ne­rin keines­wegs nach. Er musi­zier­te schlüs­sig, mit schlan­kem, aber vollem Ton und immer trans­pa­rent. 

Brahms schrieb seine Cello­so­na­te, die eben­falls als Sona­te für Klavier und Cello beti­telt ist, in den Jahren 1862 bis 1865. Auch hier wird dem Klavier ein führen­der Part zuge­wie­sen. Das Duo spiel­te inspi­riert, kompro­miss­los und mit einer sicht­ba­ren und vor allem hörba­ren Musi­zier­freu­de. Beson­ders das Menu­ett-Trio des Mittel­sat­zes gelang höchst nuan­ciert und leben­dig. 

Mit hoch­ro­man­ti­schen Werken setz­te sich das Programm nach der Pause fort. Schu­manns Fanta­sie­stü­cke für Cello bzw. Klari­net­te und Klavier, enthält Stim­mun­gen von zart bis feurig. Ohne Mühe wech­sel­te das Beet­ho­ven-Duo in die jeweils vorge­ge­be­ne Klang­far­be. 

Als Abschluss wähl­ten die Künst­ler ein Werk von Chopin, seine einzi­ge Sona­te für Cello und Klavier und eines seiner weni­gen Werke, die er nicht ausschließ­lich für das Klavier kompo­niert hat. Hier zeig­ten die Künst­ler ein feines Gespür für bril­lan­tes, farbi­ges musi­zie­ren. Beson­ders das Largo des drit­ten Satzes klang ausge­wo­gen in der Tonge­bung und sehr gut ausba­lan­ciert in der Dyna­mik. 

Der nicht enden wollen­de Applaus wurde zwei­fach belohnt. Da das Thema des Konzer­tes „zwischen Wiener Klas­sik und Roman­tik“  laute­te, entschie­den die Künst­ler sich für ein klei­nes, aber höchst virtuo­ses Menu­ett von Joseph Haydn und für die Polo­nai­se bril­lan­te Opus 3 von Chopin. Das „Tänze­ri­sche“ in der Musik scheint dem Duo beson­ders am Herzen und in den Fingern zu liegen und es bleibt zu wünschen, diese tempe­ra­ment­vol­len Musi­ker noch oft hören zu dürfen.

BEET­HO­VEN DUO

Spätes­tens seit seinem Debüt in der CARNE­GIE HALL New York im April 2008, zählt das Beet­ho­ven Duo — zwei Solis­ten, die sich zur Aufga­be gemacht haben eine kammer­mu­si­ka­li­sche Einheit zu präsen­tie­ren — zu den Kammer­mu­sik­ensem­bles der Spit­zen­li­ga und wird von der Pres­se und vom Publi­kum als “Glamour-Paar der Klas­sik” gefei­ert! Wer einmal ein 1000-Volt-Konzert des Duos erlebt hat, ist über­zeugt: “Das Beet­ho­ven Duo crei­ert eine magi­sche Atmo­sphä­re” (Zitat von Maes­tro Marcel­lo Abba­do, der das Duo für eines der besten hält, das er je gehört hat).

In der Tat geht es bei den aus der Ukrai­ne und Russ­land stam­men­den Jung­stars Alina Kaba­no­va (Piano) und Fjodor Elesin (Violon­cel­lo), die seit 2006 als Beet­ho­ven Duo konzer­tie­ren, einzig um die Musik; und zwar mit solcher Hoch­span­nung, dass es vom Podi­um her knis­tert! Das blin­de musi­ka­li­sche und auch emotio­na­le Verstän­dis der beiden Musik-Part­ner fürein­an­der, bewirkt eine inten­si­ve und ganz selbst­ver­ständ­li­che Verschmel­zung von Cello und Klavier. Die beson­de­re künst­le­ri­sche Ausdrucks­kraft und die einzig­ar­ti­ge Ausstrah­lung der beiden jungen Musi­ker über­tra­gen sich in jedem Konzert — schon bei den ersten erklin­gen­den Tönen — “subi­to” auf das Publi­kum, welches das beson­de­re Konzert­er­leb­nis fast immer mit “stan­ding ovations” dankt!

Der gran­dio­se Erfolg des Beet­ho­ven Duoträgt der erst­klas­si­gen solis­ti­schen Ausbil­dung­bei Prof. V. Weichert, Prof. W. Mehl­horn, Prof. V. Gorno­sta­e­va, Prof. M. Rostro­po­vich, Prof. A. Pono­ma­ren­ko, Prof. E. Koro­lev, M. Abba­do und L. Brum­berg als auch der kammer­mu­si­ka­li­schen Ausbil­dung bei Ralf Gotho­ni, Bruno Cani­no und Mena­hem Press­ler am Insti­tu­to Inter­na­cio­nal de Músi­ca de Cáma­ra de Madrid Rech­nung.

Programm 

Zwischen Wiener Klas­sik und Roman­tik”

L. v. Beet­ho­ven (1770–1827)Sona­ta in A‑Dur, op.69
Johan­nes Brahms (1833–1897)Cello Sona­te No.1 in e‑moll, op.38
Robert Schu­mann (1810–1856)   Fanta­sie­stü­cke op. 73
Fréde­ric Chopin (1810–1849)Sona­te in g‑moll op. 65 for Violon­cel­lo und Piano (1846)