4 | Matinéekonzert mit Picknick

Sivan Silver und Gil Garburg, Klavierduo | Wasserschloß Hülsede

Sommerliches Matineekonzert im Wasserschloss Hülsede

Okka Mallek 
Hannover, 16.06. 2013

Ein warmer Frühsommertag, ein beeindruckendes Wasserschloss, ein geniales Künstlerduo und ein delikates Büfett. Mit wenigen Worten ließe sich das 33. Matineekonzert der hannoverschen Chopin-Gesellschaft beschreiben. Jedoch war das Ereignis so großartig, dass etwas Schwärmerei erlaubt sein muss. 

Beim diesjährigen Picknickkonzert waren Mitglieder und Gäste der Chopin-Gesellschaft in dem imposanten und in seiner Bausubstanz original erhaltenen Wasserschloss Hülsede, einem typischen Bau der Weserrenaissance, zu Gast. In der Rokkenscheune, in der einst Getreide lagerte, wie Schlossherr von Bronsart in seiner Begrüßung erläuterte, gastierte das Pianistenduo Silvan Silver und Gil Garburg. Die israelischen Künstler konzertieren seit vielen Jahren gemeinsam und haben sich als eines der renommiertesten Klavier-Duos etabliert. 

Mit Strawinskys Ballett Petruschka, in einer 1911 bearbeiteten Fassung für Klavier zu vier Händen durch den Komponisten, beeindruckten Silver und Garburg vor allem durch technische Versiertheit und farbige Spielfreude. Mit äußerster Perfektion meisterten die Künstler dieses raffinierte, anspruchsvolle Werk. Die vier Szenen, die das burleske Treiben eines russischen Jahrmarktes darstellen, wurden trotz ihrer vertrackten, perkussiven Rhythmen und klaviertechnischen Herausforderung lebendig und eindrucksvoll hörbar gemacht. 

Da sich die Gattung Klaviermusik zu vier Händen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer beliebten Form des kammermusikalischen Musizierens entwickelte, ist es nicht verwunderlich, dass Franz Schubert das Repertoire der vierhändigen Klavierliteratur mit zahlreichen klangschönen Tänzen und Märschen bereicherte. Der Höhepunkt von Schuberts Klavierduo-Schaffen liegt allerdings in seiner in seinem Sterbejahr 1828 komponierten f-Moll Fantasie. Silver und Garburg haben mit ihrer Interpretation dieses Werkes bewiesen, dass sie nicht ausschließlich ein virtuoses Feuerwerk entfachen können, sondern auch diesem tiefgründigen und bewegenden Werk mit seinen radikalen Ausbrüchen und kühnen Harmonieverläufen gerecht werden. 

Mit Schuberts Marsch C-Dur D. 968 Nr.1 und zwei Zugaben – Mendelssohns Sommernachtstraum in der originalen vierhändigen Fassung und dem temperamentvollen Andalucia des kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona – endete ein brillanter und eindrucksvoller Konzertvormittag. 

Die beiden Pianisten Sivan Silver und Gil Garburg

stammen aus Israel, wo sie 1976 bzw. 1975 geboren wurden; sie studierten bei Professor Arie Vardi, anfangs noch an der Rubin Musikakademie der Universität von Tel Aviv, später dann an der Musikhochschule Hannover; heute haben sie hier seit Oktober 2001 einen Lehrauftrag. Sie gewannen 1. Preise in mehr als ein Dutzend nationaler und internationaler Klavierwettbewerbe, sowohl als Solisten wie auch als Duo. 

Sivan Silver und Gil Garburg gründeten ihr Duo 1997 und schafften es innerhalb weniger Jahre, in der internationalen Musikszene eines der bemerkenswertesten und meist engagiertesten Klavierduos zu werden. Sie sind bereits in den renommiertesten Konzertsälen in aller Welt aufgetreten und haben zusammen mit zahlreichen namhaften Orchestern musiziert. Zu vielen Festivals werden sie eingeladen. 

Großes Vergnügen haben die beiden Pianisten daran, unbekannte Werke von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts aufzustöbern und aufzuführen. Beide verfügen über ein umfangreiches Repertoire, einschließlich Werke, die eigens für sie geschrieben wurden. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit geben Sivan Silver und Gil Garburg Meisterkurse, so in Moskau am Tschaikowsky Konservatorium, in Helsinki an der Sibelius Musikakademie, in Peking am Zentralkonservatorium oder in Israel bei den internationalen Tel-Hai Meisterkursen.

Ihre zahlreichen Konzertauftritte führten sie zu renommierten Spielstätten wie dem Wiener Musikvereinssaal, der Carnegie Hall, dem Lincoln Center, der Berliner Philharmonie und Konzerthaus, dem Gewandhaus Leipzig und der Sydney Oper. Dort traten sie mit namhaften Orchestern auf, wie der Israel Philharmonic, der Deutschen Kammerphilharmonie, der Melbourne Symphony, den Berliner Symphonikern, der NDR Radiophilharmonie und dem WDR Rundfunk Orchester.

Programm 

Igor StrawinskiPetruschka – Bearbeitung des Balletts für Klavier zu vier Händen durch den Komponisten:
Bild I „Volksfest in der Butterwoche“
Bild II „Bei Petruschka“
Bild III „Beim Mohren“
Bild IV „Volksfest in der Butterwoche“
Franz SchubertMarsch in C-Dur D. 968 Nr. 1
 Fantasie in f-Moll, op. 103, D. 940