3 | 16. Inter­na­tio­na­ler Klavier­wett­be­werb 2017

16. Internationaler Klavierwettbewerb 2017 - Sprengel Museum Hannover

Der 16. inter­na­tio­na­le Klavier­wett­be­werb der Chopin-Gesell­schaft ist entschie­den

Im Zwei­jah­res­rhyth­mus rich­tet die Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver einen inter­na­tio­na­len Klavier­wett­be­werb aus und fördert dadurch junge, begab­te Musiker/innen, die am Beginn ihrer Karrie­re stehen. Aus mehr als 20 Bewer­bun­gen wähl­te eine fach­kun­di­ge Jury auch in diesem Jahr wieder fünf Kandidat/innen aus, die sich in einer Final­run­de präsen­tier­ten. Ange­sichts des hohen künst­le­ri­schen Niveaus ist die Quali­fi­ka­ti­on für die Endrun­de eines Wett­be­werbs bereits eine Auszeich­nung und so konn­ten zahl­rei­che musik­be­geis­ter­te Zuhö­rer in der bestens besuch­ten Aula des Spren­gel-Muse­ums einen kurz­wei­li­gen Sams­tag­nach­mit­tag, der sich dann doch bis in die Abend­stun­den ausdehn­te, erle­ben. Einen von drei Prei­sen, die als zwei­jäh­ri­ges Stipen­di­um verge­ben wurden, galt es zu erspie­len. Dane­ben einen Publi­kums­preis und Sach­prei­se, die von groß­zü­gi­gen Förde­rern über­reicht wurden. 

Nach herz­li­chen Begrü­ßungs­wor­ten durch die Präsi­den­tin der Chopin-Gesell­schaft, des Kultur­de­zer­nen­ten der Stadt Hanno­ver und des polni­schen Konsuls über­nahm Profes­sor Bäßler von der HMTMH die Mode­ra­ti­on und über­brück­te Bera­tungs­pau­sen mit infor­ma­ti­ven und fach­kun­di­gen Anmer­kun­gen, zum Beispiel über die Krite­ri­en der Beur­tei­lung auf künst­le­ri­schem Spit­zen­ni­veau bis hin zur musi­ka­li­schen Allge­mein­bil­dung, die oft als „lausig“ beklagt wird, wie Bäßler beton­te. Auch wurde die Frage erör­tert, ob das Publi­kum emotio­nal urtei­len darf. Ja, es darf! Während die Juro­ren die Pianis­tik, also alle spiel­tech­ni­schen Vorgän­ge, sowie Stilis­tik, Musi­ka­li­tät, Indi­vi­dua­li­tät, Ausdrucks­kraft, Werk­ver­ständ­nis usw. zu beur­tei­len haben, dürfen Musik­lieb­ha­ber mit dem Herzen hören, was dann immer ein gutes und inter­es­san­tes Ergeb­nis zur Folge hat. In diesem Fall ging der Publi­kums­preis an die von der Jury dritt­plat­zier­te Südko­rea­ne­rin Lucia Mihyun Ahn, die an der HMTMH studiert und mit den 1976 kompo­nier­ten Etüden Fifth to Thirds und Orna­ments des 1938 gebo­re­nen ameri­ka­ni­schen Kompo­nis­ten John Coriglia­no, sowie mit Chopins Rondo Op. 16 glänz­te. 

Der erste Preis ging an den Geor­gi­er Luca Okros, der mit Chopins Nocturne Op. 15, den Moment musi­caux Op. 16, Nr. 4 und 5 von Rach­ma­nin­off sowie der immer wieder beein­dru­cken­den unga­ri­schen Rhaps­odie Nr. 2 von Liszt große Profes­sio­na­li­tät bewies. Mit spar­sa­men Bewe­gun­gen, präzi­se und souve­rän gestal­te­te Okros die von ihm vorge­tra­ge­nen Werke. Er gewann bereits mehr als zehn Wett­be­wer­be. 

Mit der Fanta­sie f‑Moll von Chopin und der Fanta­sie Op. 28 von Scrja­bin konn­te der Südko­rea­ner Sung-Jae Kim, Student an der Musik­hoch­schu­le Frank­furt, den zwei­ten Preis erobern. Sein Spiel war geprägt von spiel­tech­ni­scher Versiert­heit und klang­li­cher Fülle.

Weni­ger Glück hatte die aus Russ­land stam­men­de Studen­tin der Weima­rer Musik­hoch­schu­le, Anna Khomic­h­ko. Mit Chopins Andan­te spia­na­to et Gran­de Polo­nai­se und der 1963 kompo­nier­ten Chaconne von Gubai­du­li­na konn­te sie sich, trotz der immensen tech­ni­schen und musi­ka­li­schen Heraus­for­de­rung, die beide Werke abver­lan­gen, nicht behaup­ten. Eben­so ihr Lands­mann Dmitry Rodi­o­nov, der mit Werken von Lige­ti, Scrja­bin und Chopin eben­falls leer ausging. Beide muss­ten sich, trotz aner­ken­nens­wer­ter Leis­tung, mit Sach­prei­sen und Applaus zufrie­den geben. 

Insge­samt war der Hörge­nuss über­wäl­ti­gend und es ist anzu­neh­men, dass alle Kandi­da­ten einen posi­ti­ven und entschei­den­den Impuls mit auf den Weg bekom­men haben.   

Okka Mallek
Hanno­ver, 26.03.2017

Der Auftritt des ersten Preis­trä­gers, Luka Okros

16. Inter­na­tio­na­ler Klavier­wett­be­werb 2017

Die Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver fördert begab­te Pianis­tin­nen und Pianis­ten am Beginn ihrer Karrie­re und veran­stal­tet alle zwei Jahre einen inter­na­tio­na­len Klavier­wett­be­werb. Die von einer Fach­ju­ry ausge­wähl­ten Fina­lis­tin­nen und Fina­lis­ten werden zu einem öffent­li­chen Vorspiel am 25. März 2017 um 16 Uhr in die Aula des Spren­gel Muse­ums einge­la­den. 

Die fünf Fina­lis­ten: 
  • Lucia Mihyun Ahn (Südko­rea, 1991)
  • Anna Khomic­h­ko (Russ­land, 1991)
  • Sung-Jae Kim (Südko­rea, 1990)
  • Luka Okrosts­varid­ze (Georgien/GB, 1991)
  • Dmitry Rodi­o­nov (Russ­land, 1989)
Die Jury­mit­glie­der:
  • Prof. Konrad Elser, Musik­hoch­schu­le Lübeck
  • Prof. Bernd Goetz­ke, Hoch­schu­le für Musik, Thea­ter und Medi­en Hanno­ver
  • Volker Hage­dorn, Jour­na­list und Musi­ker
  • Prof. Wolf­gang Manz, Hoch­schu­le für Musik Nürn­berg-Augs­burg
  • Prof. Piotr Palecz­ny, Fryde­ryk-Chopin-Musik­uni­ver­si­tät, Warschau 
Die Preis­gel­der:
  • 1. Preis: € 300,- monat­lich für zwei Jahre 
  • 2. Preis: € 200,- monat­lich für zwei Jahre 
  • 3. Preis: € 100,- monat­lich für zwei Jahre 
  • Publi­kums­preis: € 1.000,- 

Alle fünf Fina­lis­ten erhal­ten je einen Reise­kos­ten­zu­schuss von € 250,-. 

Der erste Preis­trä­ger wird einge­la­den, im Rahmen der Konzert­rei­he der Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver einen Klavier­abend in Hanno­ver zu geben. Ausge­wähl­te Teil­neh­mer werden im Anschluss an den Wett­be­werb zu einem Meis­ter­kurs an der Hoch­schu­le für Musik, Thea­ter und Medi­en Hanno­ver einge­la­den. Der Meis­ter­kurs wird von Prof. Piotr Palecz­ny aus Polen gelei­tet. 


Die Förde­rer

Wir bedan­ken uns für die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der folgen­den Förde­rer:

  • Bank­haus Hall­baum (1. Preis)
  • HANNO­VER Finanz GmbH (3. Preis)
  • Gehr­ke econ (Publi­kums­preis)