7 | Klavier­abend

Drei junge polnische Pianisten - Orangerie in Herrenhausen.

Musik, die zu Herzen geht – ein Abend mit Chopin

Wenn die Tage kürzer werden und sich das Laub verfärbt, ist die Zeit für poeti­sche Aben­de gekom­men. Dem Kompo­nis­ten und Welt­bür­ger Frédé­ric Chopin, einem der einfluss­reichs­ten und popu­lärs­ten Vertre­ter der roman­ti­schen Klavier­mu­sik, war ein solcher Abend gewid­met. 
Die Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver, in Zusam­men­ar­beit mit ihrem lang­jäh­ri­gen Förde­rer, der Wirt­schafts­prü­fer-Gesell­schaft KPMG, hatte dazu einge­la­den. In der Oran­ge­rie des Schlos­ses Herren­hau­sen fanden zahl­rei­che Inter­es­sier­te Platz für ein kurz­wei­li­ges, infor­ma­ti­ves und musi­ka­lisch höchst anspruchs­vol­les Konzert. 
 
Das gängi­ge Bild des sensi­blen und gesund­heit­lich fragi­len Kompo­nis­ten, der in fran­zö­si­schen Salons den Damen des Hoch­adels Klavier­un­ter­richt erteilt, im Klos­ter Vall­de­mos­sa auf Mallor­ca unter stän­di­gem Husten leidet und wehmü­tig an seiner polni­schen Heimat hängt, wurde eben­so beschrie­ben wie der kriti­sche Zeit­zeu­ge, der sich mit der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Reali­tät seiner Zeit ausein­an­der­setzt, mit Künst­lern und Intel­lek­tu­el­len korre­spon­diert und sich bemüht, den Lebens­all­tag und persön­li­che Krisen zu bewäl­ti­gen. 

All dies ist in den erhal­te­nen Brie­fen an Freun­de, Fami­lie und Wegge­fähr­ten doku­men­tiert und trägt zum Verständ­nis dieser komple­xen Persön­lich­keit bei. Dennoch sind es die zahl­rei­chen Klavier­kom­po­si­tio­nen, die Chopin so einzig­ar­tig machen. Aus schein­bar uner­schöpf­li­cher Quel­le entstan­den seine vielen Werke, jedes ein Juwel und Ausdruck eines genia­len Tonschöp­fers. 

Vier talen­tier­te junge Künst­ler brach­ten Worte und Töne zum Klin­gen, zum Leuch­ten und zum Herzen. Drei Pianist/innen aus Chopins Heimat­land Polen, Tymo­teusz Bies, Agniesz­ka Korpy­ta und Maciej Wota, waren ange­reist und hatten eine Auswahl der schöns­ten Klavier­wer­ke Chopins vorbe­rei­tet. Der Schau­spiel­stu­dent Roman Mucha  dekla­mier­te dezent, unauf­dring­lich und dennoch präsent und eindring­lich ausge­wähl­te Texte und Brie­fe. 

Groß­ar­ti­ges Gestal­tungs­ver­mö­gen bewies Agniesz­ka Korpy­ta bei den melan­cho­lisch anmu­ten­den Nocturnes op. 27 und in der zarten Berceu­se Des-Dur sowie in den Mazur­ken op. 50, die mit ihrer rhyth­mi­schen Beson­der­heit den polni­schen Natio­nal­tanz kunst­voll zum Ausdruck brin­gen. Tymo­teusz Bies konn­te mit fünf Preludes aus op. 28 und der F‑Dur Balla­de über­zeu­gen. Sein Spiel ist bril­lant und klar struk­tu­riert. 

Marciej Wota hatte mit dem drit­ten Scher­zo cis-Moll eine große pianis­ti­sche Heraus­for­de­rung ange­nom­men. Die leiden­schaft­li­chen und höchst virtuo­sen vier Scher­zi zählen zu Chopins bedeu­tends­ten Klavier­wer­ken und fordern ein hohes Maß an pianis­ti­schem Können. 

Heute habe ich die Fanta­sie been­det – und der Himmel ist wunder­schön, eine Trau­rig­keit in meinem Herzen – aber das ist Ordnung“ schrieb Chopin nach Voll­endung der Fanta­sie, die eben­falls als einer der Höhe­punk­te in seinem Schaf­fen gilt. Marciej Wota hat in beiden Werken einen markan­ten und ausdrucks­star­ken Stil bewie­sen und beson­ders den erzäh­len­den Charak­ter der Fanta­sie sehr eingän­gig geformt. 

Obwohl der Konzert­abend die übli­che Zeit­span­ne über­schrit­ten hat, was auch daran lag, dass auf Besu­cher, die im Stau stecken geblie­ben waren, gewar­tet wurde, gab es glück­li­che Gesich­ter und erfüll­te Herzen nach so viel Klang­zau­ber.

Okka Mallek
Hanno­ver, 21.10.2017

Junge Talen­te

Dieses Veran­stal­tung markiert den Beginn einer engen Zusam­men­ar­beit unse­rer Chopin-Gesell­schaft mit dem renno­mier­ten Fryde­ryk Chopin Insti­tut in Warschau, dem Veran­stal­ter des welt­weit beach­te­ten Inter­na­tio­na­len Chopin-Wett­be­werbs.

Die drei Pianis­ten unse­res Konzer­tes gehö­ren zu einer Grup­pe von Ausnah­me­ta­len­ten, die bereits Auftrit­te beim Fryde­ryk Chopin Insti­tut absol­viert haben. Im Rahmen unse­rer Zusam­me­nat­beit mit dem Insti­tut dürfen diese jungen Talen­te aus Polen bei unse­ren Konzer­ten auftre­ten und im Gegen­zug werden die Preis­trä­ger unse­res Klavier­wett­be­werbs nach Polen einge­la­den, um dort zu konzer­tie­ren.