7 | Karne­val der Tiere

Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover - Erlebnis-Zoo Hannover

Im Palast des Maha­ra­dscha

Ein tieri­sches Vergnü­gen berei­te­te ein Konzert, das die Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver, in Koope­ra­ti­on mit ihrem lang­jäh­ri­gen Spon­sor, der KPMG, im Erleb­nis Zoo Hanno­ver statt­fin­den ließ. Der Grund für die Wahl dieses beson­de­ren Auffüh­rungs­or­tes ist nach­voll­zieh­bar; es soll­te die große zoolo­gi­sche Phan­ta­sie von Camil­le Saint-Saëns, „Der Karne­val der Tiere“ aufge­führt werden. Studen­tin­nen und Studen­ten der Hoch­schu­le für Musik, Thea­ter und Medi­en Hanno­ver ließen dafür ihre Instru­men­te auf belus­ti­gen­de Weise die selt­sams­ten Tier­lau­te imitie­ren. Da tanz­te der Elefant Can-Can (eine parodis­ti­sche Anspie­lung auf Offen­bach), sang der Schwan sein letz­tes Lied, und die Pianis­ten wurden mit ihren ewigen Czer­ny­e­tü­den persi­fliert. Es wurde kurz­wei­lig, heiter und klang­voll darge­stellt. Beson­ders durch den agilen Erzäh­ler, Justin Hibbe­ler, bekam diese launi­ge, facet­ten­rei­che Fanta­sie eine lebhaf­te szeni­sche Dimen­si­on.

Die, bautech­nisch beding­te, kurz­fris­ti­ge Verle­gung des Konzer­tes vom Panora­ma­haus in den Prunk­saal des Maha­ra­dscha erwies sich als glück­li­cher Zufall, denn so kamen die Besu­cher in den Genuss, das über­wäl­ti­gen­de Panora­ma­haus mit einem Rund­um­blick auf den Amazo­nas besich­ti­gen zu können und dann, auf einem klei­nen Spazier­gang durch den Zoo, in den Palast des Maha­ra­dscha geführt zu werden. Im reich verzier­ten Prunk­saal kamen Augen und Ohren auf ihre Kosten.

In die exoti­sche Ästhe­tik dieser indi­schen Pracht­ku­lis­se hinein spiel­te ein Kammer­mu­sik­ensem­ble der HMTMH Schu­berts heite­res Forel­len­quin­tett. Dem Reiz dieser zauber­haf­ten Musik kann sich wohl kaum jemand entzie­hen. Beson­ders der Varia­ti­ons­satz, in dem Schu­bert sein bekann­tes Lied, die Forel­le, so gran­di­os vari­iert, und das dem Quin­tett seinen Namen gibt, berührt und entzückt. Das Ensem­ble gestal­te­te zunächst verhal­ten, dennoch inten­siv, aber niemals vorder­grün­dig. Alle fünf Musi­ker verschmol­zen zu einer klang­li­chen Einheit, spiel­ten sich gegen­sei­tig auf char­man­te Weise das Thema zu und ende­ten schwung­voll mit dem beina­he wiene­risch anmu­ten­den sprit­zi­gen Final­satz. Viel Applaus für eine gelun­ge­ne Darbie­tung!

Der Nuss­kna­cker“ von Tschai­kow­ski gehört zu den belieb­tes­ten Ballet­ten und wohl zu den meist adap­tier­ten Werken für diver­se Beset­zun­gen. Beson­ders die daraus entstan­de­ne Nuss­kna­cker-Suite erfährt große Popu­la­ri­tät. Eine Bear­bei­tung für zwei Klavie­re dieser Suiten­sät­ze stell­ten der Pianist Alex­an­der Voront­sov und die Pianis­tin Anasta­sia Sokolo­va vor. Sie verzau­ber­ten mit vier Tänzen, ließen pitto­res­ke Klang­bil­der entste­hen und verlie­hen der berühm­ten Zucker­fee Glanz.

Ein verdient lebhaf­ter Beifall würdig­te die Leis­tung der jungen Musi­ker und auch der Orga­ni­sa­to­ren, die diesen beson­de­ren Rahmen möglich mach­ten. Wie gut, dass das Konzert an zwei aufein­an­der folgen­den Aben­den statt­fand, so kamen viele Zuhö­rer, die das Beson­de­re lieben, in den Genuss eines außer­ge­wöhn­li­chen Konzer­tes.

Okka Mallek
Hanno­ver, 27.10.2019

Der Karne­val der Tiere

Den Karne­val der Tiere, mit dem Unter­ti­tel Gran­de fantai­sie zoolo­gi­que, kompo­nier­te Camil­le Saint-Saëns im Janu­ar 1886 in einem klei­nen öster­rei­chi­schen Dorf. Hier verar­bei­te­te er in nur weni­gen Tagen frühe Skiz­zen zum Carna­val, die aus einer Zeit stamm­ten, als er noch als Klavier­leh­rer tätig war (1861 bis 1865). Die Gele­gen­heit, das Werk jetzt nieder­zu­schrei­ben, war ein Konzert, das der damals bekann­te Cellist Charles Lebouc alljähr­lich am Fast­nachts­diens­tag gab. Am 9. März 1886 wurde der Karne­val der Tiere, mit Camil­le Saint-Saëns und Louis Diémer als Pianis­ten, urauf­ge­führt.

Das Werk für Kammer­or­ches­ter moch­te er aber dann doch nicht veröf­fent­li­chen, fürch­te­te er doch um seinen Ruf. Denn abge­se­hen davon, dass er in den Stücken aller­lei Tier­ru­fe durch die Instru­men­te imitier­te, hatte er zudem mehre­re seiner Berufs­kol­le­gen (Jacques Offen­bach bei den „Schild­krö­ten“ und Berli­oz und Felix Mendels­sohn Barthol­dy beim „Elefant(en)“) zitiert. Auch Rossi­ni bleibt nicht verschont, indem eine seiner Arien unter den Fossi­li­en parodiert erscheint. Die Kompo­nis­ten waren zwar zu dem Zeit­punkt schon tot und hätten es ihm nicht verübeln können, gleich­wohl moch­te Saint-Saëns auch deren Bewun­de­rer nicht verär­gern. So erschien das Werk bei seinem Verle­ger Jacques Durand erst nach seinem Tode (16. Dezem­ber 1921), und die erste postu­me Wieder­auf­füh­rung des Werkes erfolg­te zur Karne­vals­zeit am 25. Febru­ar 1922 unter der Leitung von Gabri­el Pier­né in Paris. 


Programm

Franz Schu­bertKlavier­quin­tett A‑Dur D. 667 (Forel­len­quin­tett)
Peter I. Tschai­kow­skyAus der Nuss­kna­cker-Suite op. 71a
Camil­le Saint-SaënsDer Karne­val der Tiere

Die Künst­ler 

Geigen Moritz Ter-Nedden, Yuliia Van
Brat­scheSào Soulez Lari­viè­re
CelloTim Posner
Kontra­bassStefan Milo­ji­cic
Klari­net­teAmelie Preu­ten
KlavierAlex­an­der Voront­sov, Anasta­sia Sokolo­va
FlöteAlice Brie
Schlag­zeugMoritz Wapp­ler
Spre­cherJustin Hibbe­ler