8 | Klavierabend im Advent

Mario Häring, Klavier; Hannover Rück SE.

Klangfarbenspiel im Advent mit Mario Häring

Der letzte Klavierabend in dieser Saison der Chopingesellschaft Hannover fand in den modernen Räumen der Hannover Rück Versicherung in Kleefeld statt. Der deutsch- japanische Pianist Mario Häring wählte für unseren Klavierabend die „Préludes“ Band 1 von Claude Debussy, die Klaviersonate Nr. 14 a- moll op. 143 von Franz Schubert und als finalen Höhepunkt die Klaviersonate Nr. 23, f- moll op. 57 (Appassionata) von Ludwig van Beethoven und präsentierte damit ein sehr vielversprechendes, spannendes und unkonventionelles Konzertprogramm.

Bei den ersten sechs Préludes von Debussy entführt der Pianist das Publikum in eine schwebende Klangwelt. Er entpuppt sich als Klangkünstler, der die programmatischen Überschriften der Préludes ausgestaltet und das Publikum in seinen Bann zieht. Seine differenzierte Anschlagskunst entfaltet Kaskaden von schillernden Klangfarben. Besonders eindrucksvoll konnten die Zuhörer das bei den Stücken „Voiles“ (Segel), „Des pas sur la neige“ (Schritte im Schnee), „La Cathedrale engloutie“ (Die versunkene Kathedrale), „La danse de Puck“ (Pucks Tanz), erleben. Die poetischen Überschriften der Préludes werden vom Pianisten klangmalerisch in Klanggemälde dargestellt. Der Zuhörer bekommt musikalisch eine bildhafte Vorstellung, Poesie wird zu Klang. Im Anschluss folgte nahtlos die Schubertsonate, die die impressionistische Stimmung weiter transportiert hat. Es gelang das Kunststück, das Programm so zu gestalten, dass es harmonisch ohne Bruch ineinander übergeht. Der Übergang von Debussy zu Schubert war interessant gestaltet, da sich die impressionistischen Klang- Schattierungen hier nahtlos fortsetzten.

Die Klaviersonate Nr. 23 in f- moll op. 57 mir dem Beinahmen „Appassionata“ gehört zu den bekanntesten Klavierwerken Beethovens und gilt als Inbegriff expressiver solistischer Virtuosität. Innerhalb der Gruppe der mittleren Sonaten nimmt die „Appassionata“ mit der Waldstein- Sonate eine besondere Stellung ein. Sie stellt einen Höhepunkt in Beethovens Schaffen dar. Sie entstand in den Jahren 1804 und 1805 und wurde 1807 in Wien veröffentlicht. Beethoven widmete sie dem Grafen Franz von Brunsvik, auf dessen Schloss er zu dieser Zeit zu Gast war. Der Name „Appassionata“ (die Leidenschaftliche) wurde der Sonate erst 1838 vom Hamburger Verleger Cranz gegeben. Das Besondere dieser Sonate ist die Spannung zwischen Form und emotionalem Inhalt. Diese expressive Sonate ist eine große Herausforderung an den Pianisten, da sich der überwiegende Teil des Konzert- Programmes im impressionistischen Musikstil bewegt hat. Es sind zwei gegensätzliche Welten. Der Pianist konnte hierin seine Vielseitigkeit zum Ausdruck bringen. Er verfügt über eine hohe Anschlagskultur und Virtuosität. 

Ein schöner Abschluss des Konzertabends war die Zugabe mit dem wunderschönen verträumten Klavierstück „Rêverie“ von Claude Debussy.

Barbara Maria Krieger- Hartz
Hannover, 24. 11 2019


Der Solist

©️Yannis-Gutmann

Mario Häring wurde im November 1989 in Hannover geboren und wuchs in Berlin auf. Aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie stammend, machte er bereits im Alter von 3 Jahren erste Erfahrungen auf der Geige und am Klavier und erhielt 1994 seinen ersten Klavierunterricht. Noch vor seinem Abitur lernte er als Jungstudent bei Prof. Fabio Bidini im Julius-Stern-Institut der UdK Berlin sowie an der HMTM Hannover unter Prof. Karl-Heinz Kämmerling. Bei Prof. Kämmerling und Prof. Lars Vogt absolvierte Mario Häring auch den Bachelorstudiengang Klavier und schloss 2017 sein Master-Studium mit Bestnote ab.

Musikalische Impulse erhielt er bei zahlreichen Meisterkursen, unter anderem bei Paul Badura-Skoda, Pascal Devoyon, Anatol Ugorski, Walter Blankenheim und Andras Schiff. Zusätzlich nimmt er regelmäßig an Intensivkursen der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein teil, dessen Stipendiat er seit 2011 ist. Weiterhin erhielt Mario Häring Stipendien der Deutschen Stiftung Musikleben und der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung.

Beim Leeds International Piano Competition 2018 gewann er den 2. Preis und den Yaltah Menuhin Award für die beste kammermusikalische Darbietung. Nach seinem Orchesterdebüt in der Philharmonie Berlin mit den Berliner Symphonikern im Jahr 2003 folgten weitere Konzerte mit Orchester, die ihn u.a. in die Philharmonie Konstanz, das Tokyo Metropolitan Theater, Tokyo Bunka Kaikan und sechs weitere Male in die Philharmonie Berlin führten.

Konzertengagements ließen ihn bereits in Japan, China, Namibia, Finnland, Italien, Spanien, Griechenland, Liechtenstein, Österreich, Luxemburg, den USA, und der Schweiz auftreten.

Neben Engagements mit Orchestern und als Solist widmet sich Mario Häring auch leidenschaftlich der Kammermusik. Die Begeisterung dafür teilt er unter anderem mit dem Geiger Noé Inui, mit dem er die ICMA-nominierte CD „Identity“ veröffentlichte. 


Programm

Claude DebussyPréludes I L.117, 1–6
Franz SchubertKlaviersonate Nr. 14 in a‑Moll D784
Claude DebussyPreludes I L.117, 7–12
L.v.BeethovenKlaviersonate Nr. 23 f‑Moll op. 57 
„Appassionata“ 

Pressestimmen

Maria Häring lässt den Flügel singenBei der Chopin-Gesellschaft unternimmt der Pianist eine Expedition ins Innenleben der Klänge

Was machen eigentlich die Töne in einem Flügel, die gerade nicht erklingen? Warten sie (auf)gespannt auf ihren Saiten still und stumm darauf, dass sie selbst an der Reihe sind? Oder singen sie, wenn ein Nachbar angeschlagen wird, nicht vielleicht schon heimlich mit? Mit seinem ungewöhnlichen Spiel kann der Pianist Mario Häring solche ungewöhnlichen Fragen auslösen: Sein Auftritt bei der Chopin-Gesellschaft im Saal von Hannover Rück war auch eine Expedition ins Innenleben der Klänge…..

HAZ vom 25. November 2019 – Stefan Arndt