Mitgliederreise nach Warschau

Mitgliederreise zum 19. Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau vom 18. Oktober - 21. Oktober 2025

Mitgliederreise zum 19. Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau

Im Oktober konnten wir unsere lang geplante Reise nach Warschau wahrnehmen. 28 Musikfreunde der Gesellschaft waren dabei und ich muss sagen, diese Reise war ein purer Genuss in jeder Hinsicht. Die Gruppe war äußerst harmonisch, geduldig und gutgelaunt. Es folgt ein kurzer Bericht von einem unserer Teilnehmer, der unsere Reise und unsere Erlebnisse gut schildert.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Mitreisenden für ihre Teilnahme und ihr Vertrauen bedanken, besonders natürlich bei Dr. Smend für seinen anschaulichen Reisebericht.

Wenn es in 5 Jahren wieder gelingen sollte, Karten für die Wettbewerbe zu bekommen, würde ich es nochmals wagen, eine Gruppenreise zu organisieren, denn die erste Erfahrung war nur positiv. Eine durchaus wertvolle Erfahrung für uns alle und ich hätte es nicht missen wollen.

Ihre
Sookie Schober

Bericht von Dr. Axel Smend, ein langjähriger Freund und Mitglied der Chopin-Gesellschaft

28 Mitglieder der Chopin-Gesellschaft Hannover konnten dem Ruf unserer Vorsitzenden nicht widerstehen, im Oktober 2025 Zeuge des 19. Internationalen Chopin-Klavier-Wettbewerbs in Warschau zu werden, ein Wettbewerb, der alle fünf Jahre stattfindet und Polens wichtigstes Musikereignis ist.

Mit welchen Erinnerungen bin ich nach Hannover zurückgekommen?

Frederic Chopin wurde nicht nur in Warschaus Nationalphilharmonie an drei Abenden von elf Finalisten durch ihre Darbietungen gefeiert sondern auch landesweit, nämlich in zahlreichen Geschäften mit seinen Büsten und Kopien seiner Werke sowie an Souvenirständen mit angebotenen Chopin-Parfums und Puzzles und durch hohe Besucherzahlen an Orten, die an ihn erinnern.

Chopin hatte auch uns in Warschau im Griff: Die Frage beim köstlichen Frühstück galt nicht der Bedienung der im Übrigen hervorragend laufenden Kaffeemaschine – wie überhaupt alles, in diesem Land pünktlich, zuverlässig und technisch auf höchstem Niveau funktionierte – sondern, ob man auch gesehen habe, dass die chinesische Finalistin Tianyou Li die Tasten zwischen den Stücken mit einem Tuch gewischt habe, da sie so schwitzte, weil es eben um alles ging, und jeder sein „letztes“ gab. Beim Müsli-Verzehr habe ich mir zwei Mal erklären lassen müssen, dass das biologische Chopin-Herz in Warschaus Heiligen-Kreuz-Kirche wie eine Reliquie verehrt wird, während Chopins Gebeine aber in Paris auf dem Friedhof Père Lachaise liegen.

Auch wir aus Hannover gerieten in eine Art Chopin-Fieber: Anstatt von Smileys geweckt zu werden, ließen Freunde auf unserem gemeinsamen „Reise Warschau-Chat“ zu Tagesbeginn das Vorspiel des Georgiers David Khrikuli vom vergangenen Abend erklingen. Dieses Chopin-Fieber, noch einmal ansteigend an den drei Abenden im Konzertsaal während der Vorspiele, sank wieder beruhigend beim anschließenden gemeinsamen, unterhaltsamen und fröhlichen Zusammensein in schon bald sehr herzlicher, hannöverscher Runde,  begünstigt vom guten polnischen Weißwein, Bier und anderen Landesköstlichkeiten, und auch vom Teammitglied Goetz von Engelbrechten zum Anlass genommen, Sookie Schober für ihre Initiative, ihre exzellente Organisation und Zuwendung uns gegenüber zu danken.

Wir alle fieberten mit den Wettbewerbern: Wie gelingen ihnen die dramaturgischen Höhepunkte der Polonaise-Fantasie Op 61? Eher tänzerisch bei Piotr Alexewicz (Polen, im Übrigen der einzige ohne familiären asiatischen Hintergrund) oder gar spröde bei Zitong Wang (China) oder gar bittend bei William Yang (USA)? Wie gelingt ihnen das Spielen des Eröffnungs-Arpeggio des F-Moll Konzerts Op 21? Hier sahen viele von uns die Japanerin Kuwahara Shiori und auch die Chinesin Tanyao Lu vorne. Gewonnen hat der 27-jährige Eric Lu, ein in den USA geborener Sohn chinesischer Eltern. Er hat die Goldmedaille und den vom Präsidenten der Republik Polen gestifteten Preis über 60.000,00 Euro erhalten. Den zweiten Preis erhielt der Kanadier Kevin Chen, den auch viele von uns favorisiert hatten, den dritten die Chinesin Zitong Wang. Die Dominanz ostasiatischer Pianisten und Nordamerikaner mit ostasiatischer Herkunft war nicht zu übersehen.

Waren wir abends ab etwa 18.00 Uhr aktiv auf den musikalischen Spuren von Frederic Chopin, so konnten wir tagsüber, auch dank einer uns begleitenden, sehr kompetenten und bestens deutsch sprechenden Führerin (Iwona Jaworska-Brach) Spuren des Meisters nachgehen bzw. sie finden, wie z B das reich bestückte Chopin-Museum im Ostrogski-Palast, wie seinen Geburtsort Żelazowa Wola, wie die Pfarrkirche St. Rochus und St. Johannes, in der Chopin getauft wurde, wie die Heilig-Kreuz-Kirche, in der sein Herz eingemauert ist. 

Daneben haben wir durch angenehme Spaziergänge (z B Altstadt, Landschaftspark „Arkadia“, Schloß in Nieborow, Königspark) die Hauptstadt Polens gut kennengelernt. Für mich hat sich Warschau gegenüber früher (90 er Jahre) deutlich geändert. Unabhängig von diversen freundlichen Begegnungen mit Einheimischen, der Sauberkeit in der Stadt sowie den wahrnehmbaren technischen großen Fortschritten beeindruckten mich auch die neuen m.E. architektonisch sehr gelungenen Bauwerke entlang der Skyline dieser Stadt wie auch die hervorragend wieder aufgebaute Altstadt – m.E. ein „Muss“ für jeden Besucher, auch um die leidvolle Geschichte Warschaus zu verstehen.

Der Dank für diese wunderbaren Erfahrungen und Wahrnehmungen gilt Sookie und Andreas Schober, unserer Führerin Iwona sowie allen Mitreisenden. 

Axel Smend