„Romantiker im Exil“ bei Hannover Rück SE - Cello und Klavier Duo mit Roman Salyutov und Roger Morelló Ros
Im Kraftwerk großer Gefühle – ein tiefgründiger Kammermusikabend mit dem Cellisten Roger Morelló Ros und dem Pianisten Roman Salyutov
Ein bemerkenswertes und sehr emotional geprägtes Konzert erlebten zahlreiche Besucher, die der Einladung der Chopin-Gesellschaft Hannover gefolgt sind, um einen Kammermusikabend von höchster Qualität zu erleben. Die Hannover Rück SE hatte ihre Räumlichkeit zur Verfügung gestellt, der große Flügel war in der Mitte des Saales platziert und nach herzlichen Begrüßungsworten der Präsidentin der Chopin-Gesellschaft galt die Aufmerksamkeit zwei jungen Musikern, die mit einem anspruchsvollen Programm überzeugten.
Der katalanische Cellist Roger Morelló Ros und der aus Leningrad stammende Pianist Roman Salyutov spielten Chopins Sonate für Violoncello und Klavier op. 65, sowie Rachmaninows Sonate für Violoncello und Klavier op. 19. Beide Werke stehen in g-Moll und sind von tiefer Leidenschaft und großem Schmerz geprägt. Rachmaninow schrieb diese Sonate, nachdem er sich von einer langen Phase der Depression erholt hatte und widmete das Werk seinem Psychiater als Dank. Es ist ein Meisterwerk von großer Bandbreite und extrem schwer zu spielen. Beide Musiker waren bestens aufeinander eingespielt, traten immer wieder in einen musikalischen Dialog und erschlossen Klangräume von größter Dichte und Vielfalt. Schwärmerische Kantilenen und virtuose Klavierpassagen wurden extrem ausgereizt, doch niemals ins Kitschige übertrieben, wobei dieser Sonate bei aller Ernsthaftigkeit und Tiefe durchaus etwas Salonhaftes zugeschrieben wird.
Die Cellosonate von Chopin ist eines seiner wenigen Werke, die er nicht ausschließlich für das Klavier komponiert hat. Für Cellisten gehört es zum Standardrepertoire, wobei besonders der Klavierpart von extremer technischer Schwierigkeit ist und solistisches und pianistisches Können voraussetzt. Beide Künstler haben mit einer hingebungsvollen Interpretation überzeugt. Brillant, einfühlsam und immer aufeinander hörend, gestalteten sie dieses bravouröse Meisterwerk. Besonders innig entfalteten sie das Largo des dritten Satzes, der mit seinem rhetorisch-gesanglichen Reichtum so unmittelbar berührt.
Melancholie und Sehnsucht nach verlorener Heimat lag bei aller musikalischen Schönheit über diesem bemerkenswerten Abend, der das künstlerische Schaffen aus dem Exil thematisierte. Rachmaninoff floh aus politischen Gründen in die USA, Chopin lebte fernab seiner geliebten Heimat Polen und der russische Pianist Salyutov, der sich öffentlich gegen die Politik seines Landes positioniert hat, lebt nun in Deutschland, wo er Trost in der Musik seiner Heimat findet.
Die zu Beginn des Abends vorgetragene Élégie in c-Moll von Gabriel Fauré passte vortrefflich zur Thematik des Abends. Die warmen, melancholischen und tiefen Celloklänge und die inhaltliche Fülle dieses kurzen Werkes wurden expressiv und fließend dargeboten.
Zwei Zugaben brachte der verdiente Applaus hervor: eines der für Cello und Klavier bearbeiteten Lieder von Rachmaninow und den Schwan aus dem Karneval der Tiere von Saint Saёns.
Okka Mallek
Hannover, 15.11.2025
Die Künstler

Roman Salyuto
wurde 1984 in Leningrad geboren, studierte Klavier und Dirigieren in Sankt-Petersburg und Köln und promovierte sich als Musikwissenschaftler zum Dr. phil. in Paderborn mit einer Untersuchung zur Semantik der Musiksprache von César Franck. Seine Auftritte als Konzertpianist führen ihn neben vielen Engagements in Deutschland und Europa auch beispielsweise in die USA, nach Japan, Australien, Neuseeland und Israel. Meisterkurse und musikwissenschaftliche Vorträge an in- und ausländischen Universitäten und im Rahmen von Festivals sind ebenso Teil seiner künstlerischen Arbeit.
Foto: Mischa Blank

Roger Morelló Ros
geboren 1993 in Katalonien, studierte zunächst in seiner Heimat bei Carolina Pineda, David Blay und Prof. Damian Martínez, bevor er, unterstützt durch ein Deutschlandstipendium sowie die Humboldt- und die Güell-Stiftung, seine Ausbildung bei Maria Kliegel an der Kölner Musikhochschule fortsetzte, wo er seinen Master und sein Konzertexamen mit Auszeichnung erwarb. Als Gewinner von mehr als 30 Stipendien und Preisen bei Wettbewerben hat er als Solist mit zahlreichen Orchestern zusammengearbeitet.
Programm
| Gabriel Fauré | Élégie, op. 24 |
| Frédéric Chopin | Sonate für Violoncello und Klavier op. 65 |
| S. W. Rachmaninow | Sonate für Violoncello und Klavier op. 19 |