Schuberts späte Sonaten – der Pianist Herbert Schuch konzertiert auf dem Swiss Life Campus
Fotos: Simona Bednarek
Schuberts späte Sonaten – der Pianist Herbert Schuch konzertiert auf dem Swiss Life Campus
Ein erfolgreiches Konzertjahr der Chopin-Gesellschaft Hannover ging mit einem Klavierabend des Pianisten Herbert Schuch zu Ende. Die moderne Räumlichkeit des Swiss Life Campus bot Platz für zahlreiche Zuhörer, die im Anschluss des Konzertes vom Gastgeber, der Swiss Life, kulinarisch verwöhnt wurden. Ein Abend also, der mit vielen Annehmlichkeiten verbunden war. So etwas kannte der stille, geniale, sich stets zwischen Existenzangst und Schaffensdrang befindende Schubert sicher nicht. Er vermied große Konzertsäle, musizierte lieber im privaten Kreis und versammelte seine Freunde, die sogenannte „Schubertiade“, um sich. Seine Musik wird in diesem Rahmen ruhiger, intimer und von innerer Zerrissenheit, die ihn zeitlebens beherrschte, geklungen haben. Stets im Schatten seines großen Vorbildes Beethoven stehend, der ihn verehrte und seine Größe erkannte, näherte sich Schubert mit seinen letzten Werken, den drei Sonaten Deutsch-Verzeichnis 958-960, seinem großen Vorbild an. Viel zu spät wurde die monumentale Bedeutung dieser Werke erkannt. Diese drei letzten Sonaten gelten durch ihre zyklische Verbundenheit als Trilogie. Da an diesem Abend aber keine Konzertpause vorgesehen war, standen die Sonate Nr. 20, A-Dur D. 959 und Nr. 21, B-Dur D. 960 auf dem Programm. Abendfüllend und inhaltlich reich genug, um Zuhörer zu begeistern und dem Pianisten eine Höchstleistung an Konzentration abzuverlangen.
Herbert Schuch zeigte eine moderne, kühne und virtuose Auffassung dieser romantischen Spätwerke. Seine pianistischen Fähigkeiten erlaubten ihm schnelle Tempi und große, ausladende Gesten. Selbst traumverlorene Passagen wurden stringent und mit größter Klarheit dargeboten. Trotz aller Klangschönheit und Zärtlichkeit, die Schuberts Werke auszeichnet, gab es keinen wehmutsvollen Tränenfluss, kein Abgleiten ins Sentimentale. Architektonische Bögen wurden straff gespannt, Mittelstimmen fein austariert und die langsamen Sätze hatten die erforderliche Ruhe und Gewicht. Bei größerer Raumakustik hätte manche Kantilene noch mehr Klangfülle und Tragkraft gehabt. Ein Veranstaltungsraum ist jedoch nicht zwingend ein Konzertsaal. Ein kleines Manko des Abends, das aber den nachhaltigen positiven Eindruck kaum schmälerte.
Der lang anhaltende Applaus brachte eine Zugabe hervor: Das Choralpräludium „Nun komm der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach in einer Transkription von Ferruccio Busoni. Passender hätte es in der vorweihnachtlichen Zeit nicht sein können.
Okka Mallek
Hannover, 13.12.2025
Der Künstler

Herbert Schuch
wurde 1979 in Rumänien geboren. Nach erstem Klavierunterricht in seiner Heimatstadt übersiedelte die Familie 1988 nach Deutschland, wo er seither lebt. Seine musikalischen Studien setzte er bei Kurt Hantsch und dann bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum fort.
In jüngster Zeit erfährt Herbert Schuch in besonderer Weise Prägung in der Begegnung und Arbeit mit Alfred Brendel. Internationales Aufsehen erregte er, als er innerhalb eines Jahres drei bedeutende Wettbewerbe in Folge gewann, den Casagrande-Wettbewerb, die London International Piano Competition und den Internationalen Beethovenwettbewerb Wien.
Programm
| Franz Schubert | Klaviersonate Nr. 20 A-Dur D.959 |
| Klaviersonate Nr. 21 B-Dur D.960 |