1 | Klavierabend

Ein Klavierabend mit Tony Yike Yang - Auf dem Programm stand Schubert und Chopin

Unvergesslich – ein Klavierabend mit Tony Yike Yang

Der letzte Ton war kaum verklungen, da erhob sich das Publikum zum einstimmigen Jubelruf. Der Pianist Tony Yike Yang begeisterte mit einem außergewöhnlichen Klavierabend, der wohl noch lange nachhallt.

Es war das erste Konzert des neuen Jahres, das die Chopin-Gesellschaft Hannover veranstaltete. Der Saal war gut gefüllt und das Programm mit Schuberts vier Impromptus Op. 142, Chopins Polonaise-Fantasie Op. 61, sowie seiner dritten Klaviersonate Op. 58  vielversprechend. Die HDI/Talanx Versicherungsgruppe, großzügiger Unterstützer der Chopin-Gesellschaft Hannover, stellte ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Ein schöner Rahmen für diesen außergewöhnlichen Konzertgenuss.

Die Impromptus op. 142 von Schubert gehören zweifellos zu den großen Schätzen der Klavierliteratur. In Ihnen vereinen sich Tiefgründigkeit und Leichtigkeit, Dramatik und Verspieltheit. Tony Yike Yang gelang es, die Vielschichtigkeit dieser Werke anschaulich zu präsentieren. Ob diese vier Einzelstücke als eine viersätzige Sonate aufzufassen sind, geht auf eine Vermutung Schumanns zurück. Auf jeden Fall ist es sehr schlüssig, sie zyklisch als ein größeres Werk zu aufzuführen. Es ist kaum zu überschätzen, welch eine Bedeutung Schubert mit diesen späten Klavierwerken erlangte.

Tony Yike Yang präsentierte sich als zugewandter, publikumsnaher Musiker, der sich nicht nur durch außergewöhnliche Musikalität und klaviertechnische Perfektion, sondern auch durch seine sympathische Art die Herzen des Publikums eroberte. Selten hat man das Gefühl von solch absoluter Richtigkeit eines Konzertabends. Es gab keine Brüche, kein Nachlassen in der Konzentration. Besonders das Variationswerk des dritten Impromptus war von perlender Anmut und Leichtigkeit. Da passierte es schon mal, dass das linke Bein des Pianisten leicht in der Luft schwebte oder der Blick zur Decke glitt. Ein Vollblutmusiker erlebt und erfährt die Musik eben ganzheitlich mit allen Sinnen. Es waren magische Momente voller Anmut. In der Pause konnte das Gehörte bei einem Glas Wein und im Gespräch nachempfunden werden, bevor in der zweiten Konzerthälfte Werke von Chopin erklangen.

Die Polonaise-Fantasie und die dritte Klaviersonate von Chopin sind ebenfalls Spätwerke von großer Strahlkraft. Markante Rhythmen und eine komplexe Harmonik beherrschen die Polonaise-Fantasie, die fast balladenhaft anmutet und von einer sanften Wehmut beherrscht wird. Vielleicht ist der zeitgleiche Bruch Chopins mit George Sand Ausdruck dieser Empfindung? Tony Yike Yang hat sich auf die Stimmung des Werkes eingelassen, hat es als großes Epos geradezu zelebriert, ohne in seichte Sentimentalität abzugleiten.

Als krönenden Abschluss des Abends präsentierte der Künstler die dritte Klaviersonate von Chopin. Eine gute halbe Stunde voller Spannung und klug durchdachter Architektur. Im Largo des dritten Satzes eröffneten sich Klangräume von ungeahnter Schönheit. Dieser Satz mutet wie ein zartes Nocturne an, während der darauffolgende 4. Satz mit wuchtigen Doppeloktaven und modulierenden Stimmen voller Schwung das Geschehen beherrscht. Meisterhaft dargeboten von einem Pianisten, den man nicht vergisst.

Mit dem zugegebenen Valse Brillante As-Dur op. 34 von Chopin verabschiedete sich der außergewöhnliche Künstler. Eleganz und Leichtigkeit war auch hier die Prämisse seines Spiels. Ein Abend, der wie ein Klangwunder verzauberte.

Okka Mallek
Hannover, 17.01.2026

Der Künstler

Tony Yike Yang

der von CBC Music als einer der besten jungen Musiker Kanadas gefeiert wurde, erlangte im Alter von 16 Jahren erstmals internationale Anerkennung, nachdem er der jüngste Preisträger in der Geschichte des International Chopin-Klavierwettbewerbs in Warschau wurde und 2015 den 5. Preis gewann. Darüber hinaus hat Yang auch Preise bei den Van Cliburn, Gina Bachauer, Hilton Head, Cooper und den Bosendorfer & Yamaha USASU International Piano Competitions gewonnen.

Zu den Höhepunkten seiner Konzertlaufbahn gehören Auftritte unter anderem mit dem Cleveland Orchestra, der Warschauer Philharmonie, dem Orchestre Métropolitain, der Fort Worth Symphony, dem Basel Proms Orchestraund der Ontario Philharmonic. 

Tony Yang ist auch für Dutzende von Königen, Würdenträgern und Botschaftern wie HRHR Camilla, die Königin des Vereinigten Königreichs, HRH Königin Mathilde von Belgien, der ehemalige kanadische Premierminister Stephen Harper, der ehemalige kuwaitische Premierminister Scheich Nasser Al-Sabah und der polnische Präsident Andrzej Duda unter anderem aufgetreten.

Tony Yang wurde in Chongqing geboren und wuchs in Toronto auf. Er ist kürzlich Absolvent der Harvard University, wo er einen Bachelor of Arts in Wirtschaftswissenschaften erwarb. Er ist Artist-in-Residence am Ingesund Piano Center in Schweden und an der Chinesischen Universität von Hongkong-Shenzhen und war in der Vergangenheit Stipendiat an der Oberlin-Lake Como International Piano Academy. Tony absolviert derzeit seinen Master of Music an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Prof. Arie Vardi und wurde kürzlich mit dem Robert-Levin-Preis für Musikdarbietung der Harvard University ausgezeichnet und von Scala Radio UK als „One To Watch“ ausgezeichnet.

Programm

Franz Schubert4 Impromptus op. 142
Nr. 1 f-Moll
Nr. 2 As-Dur
Nr. 3 B-Dur
Nr. 4 f-Moll
Frédéric ChopinPolonaise-Fantaisie As-Dur op. 61
Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58

Video der Zugabe