3 | Klavierabend

Von Bach bis Gershwin | Klavierabend mit Haiou Zhang in den Räumen der VHV Versicherung

Von Bach bis Gershwin – Haiou Zhang begeistert mit Virtuosität und stilistischer Vielfalt

Er ist gern nach Hannover gekommen. In seine musikalische Heimatstadt. Hier hat er an der Hochschule für Musik, Theater und Medien studiert und bereits im Jahr 2007 bei der Chopin-Gesellschaft Hannover konzertiert. So das kurze Statement des Pianisten zum Abschluss seines umjubelten Konzertes. Die Chopin-Gesellschaft hatte Haiou Zhang eingeladen, einen Klavierabend zu geben. Gastgeber war die VHV Versicherung AG, ein langjähriger und großzügiger Unterstützer der Chopin-Gesellschaft Hannover.

Mit Werken von Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Liszt, Debussy und Gershwin präsentierte Zhang eine musikalische Bandbreite und bewies, dass Virtuosität und musikalische Tiefgründigkeit keinen Widerspruch bilden. Fast zärtlich leitete er den Abend mit der Arie aus Bachs Goldberg-Variationen ein. Die gravitätische Schlichtheit des Themas wurde durch die reiche Ornamentik zu einem innigen und zarten Gesang. Dazu passte vortrefflich die Arie „Schafe können sicher weiden“ aus Bachs weltlicher Kantate BWV 208 in der Transkription von Dinu Lipatti. Bach hat die Kantate zum Geburtstag des Fürsten von Weißenfels komponiert, und da die Geburtstagsgesellschaft zur Jagd ging, wurde sie unter dem Namen Jagdkantate populär. Eine opulente und festliche Tafelmusik. Zhang hat die Virtuosität und die Kantabilität des Werkes orchestral herausgearbeitet und mit einer meisterhaften Tongebung koloriert. Es strahlte die Singstimme im Diskant zeitgleich mit wuchtigen Passagen im Bass.

Ganz schlicht und wie von innen leuchtend geriet dann die d-Moll Fantasie von Mozart. Ein relativ kurzes Werk, das Mozart nicht selbst vollendet hat. Die letzten Takte sind von einem Zeitgenossen hinzugefügt. Dennoch, Mozart in seiner Vielfalt und Genialität ist in diesem Kleinod erkennbar. Zhang hat mit seiner sehr eindrucksvollen Interpretation ahnen lassen, wie genial Mozart selbst improvisierte und am Klavier fantasierte. Schade, dass das Werk ein Fragment geblieben ist.

Von monumentaler Bedeutung ist Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 c-Moll Op. 111. Sie gilt als Vermächtnis, als Bekenntnis eines Lebens. Literaten, Philosophen und Musikwissenschaftler haben sich mit diesem groß angelegten Werk beschäftigt. So auch Haiou Zhang als Pianist und Virtuose. Technisch und musikalisch auf höchstem Niveau, kristallisierte er die Tiefgründigkeit dieser zweisätzigen Sonate heraus, agierte als sensibler Klanggestalter etwa bei der zärtlich anmutenden Arietta des zweiten Satzes und als akribischer Virtuose in endlosen Trillerpassagen im Finale. Brillant, geschmeidig und ohne sichtbare Anstrengung meisterte er dieses 30 minütige Werk. So zwingend, stringent und überirdisch hört man diese Sonate selten. Das Publikum war von der Erhabenheit hingerissen, wollte applaudieren, doch der Künstler bedeutete ihm, mit dem Applaus zu warten. Erst nach einem kurzen Innehalten entlud sich begeisterter Applaus.

Mit zwei zarten Nocturnes von Chopin, mit Les jeux d’eaux à la Villa d’Este von Liszt und drei impressionistischen Préludes von Debussy setzte der Künstler sein Programm nach der Pause fort. Alles geschmeidig und mit Charme dargeboten. Zum Schluss ließ dieser fabelhafte Klaviervirtuose mit einem eigenen Arrangement der Rhapsodie in Blue von Gershwin aufhorchen. Diese Rhapsodie, die zwischen Klassik und Jazz changiert, erfreut sich seit ihrer Entstehung großer Beliebtheit. Haiou Zhang hat die Virtuosität und den Glanz noch gesteigert durch eigene Klangelemente und klaviertechnische Kunstfertigkeit.

Zwei Zugaben von Schumann, eine Passage aus den Davidsbündler-Tänzen und die Widmung in der Transkription von Liszt, krönten den glanzvollen Abend dieses beeindruckenden Pianisten.

Ein großzügiges Buffet des Gastgebers, der VHV Versicherung AG, erwartete das Publikum im Foyer. So konnte der Abend kulinarisch und bei Gesprächen untereinander und mit dem Künstler ausklingen.

Hannover, 25.04.2026
Okka Mallek

Der Künstler

© SLS Photography

Haiou Zhang

gilt als einer der feinsten Pianisten seiner Generation. Seine Mozart-CD mit den Heidelberger Sinfonikern unter Thomas Fey wurde als offizieller Soundtrack für die spanischen Netflix-Serie „La Casa de Papel (Haus des Geldes)“ aufgenommen und erlangte weltweit Beachtung.  

Er verbindet eine tiefe und unverkennbare Leidenschaft mit der Klavierkammermusik – insbesondere mit Werken aus dem Repertoire für Klavierquintett und -sextett. In den vergangenen Konzertsaisonen war er regelmäßiger Gast bei Abonnementreihen und Festivals renommierter Klangkörper wie den Berliner Philharmonikern, dem NDR Elbphilharmonie Orchester, dem WDR Sinfonieorchester und dem hr-Sinfonieorchester.

Geboren in China, studierte Haiou Zhang zunächst am Zentralkonservatorium in Peking bei Prof. Guangren Zhou, Prof. Manchun Chen und Prof. Hui Zhong, bevor er sein Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Prof. Bernd Goetzke fortsetzte. Nach zahlreichen Wettbewerbserfolgen startete Haiou Zhang seine Karriere 2005/06 mit umjubelten Auftritten beim Braunschweiger Classix Festival und trat seitdem beim Schleswig-Holstein Musik Festival, beim Mecklenburg-Vorpommern Festival, beim Kissinger Sommer und vielen anderen auf. 

2010 gründete er in Niedersachsen sein eigenes Festival: das Internationale Musikfestival Buxtehude/Altes Land/Harburg/Stade, das sich vor allem an ein junges Publikum richtet. Er hat viele hochbegabte junge Kollegen kräftig unterstützt wie z. B. Eva Gevorgyan, Onute Grazinyte, Philipp Scheucher oder Yeon-Min Park. Seine Lehrtätigkeit umfasst bedeutende Musikkonservatorien in China wie Peking, Shanghai, Shenzhen, Wuhan, Xiamen und in Italien – Cagliari, Kalabrien, Brescia und Catania, sowie in den USA, Kanada und Singapur. Er ist Gastprofessor in Nanhai Music Conservatory in China.

Programm

J. S. BachAria aus den Goldberg Variationen BWV 988
Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903
L. v. BeethovenSonate Nr. 32 c-Moll op. 111
Frédéric ChopinNocturne cis-Moll op. posthum
Nocturne Es-Dur op. 9 Nr. 2
Franz LisztLes jeux d'eaux à la villa d'este (aus Années de pèlerinage, Troisième année: Italie)
C. Debussy3 Préludes: Bruyères, Voiles
La fille aux cheveux de lin
G. GershwinRhapsody in Blue (Arr. Haiou Zhang)

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