4 | Klavierabend

Gipfelsturm im Glaspalast – viel Applaus für den Pianisten Antoni Kłeczek in der NORD/LB

Gipfelsturm im Glaspalast – viel Applaus für den Pianisten Antoni Kłeczek

Hannoveraner kennen ihn, den gläsernen Prachtbau der NORD/LB am Aegi. Hier hat die Chopin-Gesellschaft Hannover einen Klavierabend mit dem Preisträger ihres internationalen Wettbewerbs des Jahres 2025 veranstaltet. Eine imposante Kulisse für einen Klavierabend mit einem preisgekrönten jungen Virtuosen. 

Das Programm war vielversprechend, da es schon auf den ersten Blick erkennen ließ, dass es sich ausschließlich um sehr anspruchsvolle und hoch virtuose Klavierwerke handelt. Keine Zeit also zum Innehalten. Nach den Begrüßungsworten durch den Vorstand der NORD/LB und der Präsidentin der Chopin-Gesellschaft Hannover galt die Aufmerksamkeit dem erst 19- jährigen Antoni Kłeczek, der während des gesamten Vortrags eine konzentrierte Ruhe ausstrahlte. Der erste Konzertteil war dem polnischen Komponisten Frédéric Chopin gewidmet. Selbst die schwierigsten Passagen der Polonaise-Fantasie, einem der letzten großen Klavierwerke Chopins, gelangen mit Bravour und ohne Brüche, obwohl es immens schwer ist, die verschiedenen Stimmungen, Tonarten und Motive dieses monumentalen Werkes zu gestalten. Kłeczek, der in Warschau studiert und bereits zahlreiche Erfolge bei verschiedenen Chopin-Wettbewerben seiner polnischen Heimat, und darüber hinaus, erzielte, scheint eine besondere Affinität zu den Werken Chopins zu haben. Seine Interpretation der Mazurken ließen den polnischen Nationaltanz und die ständige Sehnsucht Chopins nach seiner polnischen Heimat erkennen. Jenseits effektvoller Virtuosität und dennoch gefüllt mit raffinierten pianistischen Herausforderungen, gerieten diese grandiosen Meisterstücke zu einer liebevollen Hommage an die Heimat.

Ebenso wie die meisten Werke Chopins, gehören auch die Paganini-Variationen von Johannes Brahms zu den virtuosesten Werken der romantischen Klavierliteratur. Hier ist präzise Fingerarbeit und eine ausgefeilte Klaviertechnik notwendig, gehen doch die Ansprüche des Werkes an die Grenzen des Spielbaren. Antoni Kłeczek verfügt über die entsprechenden Ressourcen und ließ mit dem ersten Heft der Variationen aufhorchen. Terzen, Sexten, Sprünge, Vollgriffigkeit und polyrhythmische Raffinessen gelangen dem jungen Virtuosen mit äußerster Konzentration und riefen erstaunte Bravorufe hervor. Hier konnte der Pianist sein umfangreiches Spektrum pianistischer Möglichkeiten präsentieren. 

Danach folgte der sehr gefällige und anmutige Walzer As-Dur Op. 38 von Alexander Skrjabin als kurzes und brillantes Klavierwerk. Kłeczek hat in dieser anmutigen Präziose viel Einfühlungsvermögen, Klangsinn und Poesie vereint. Die Etüde Pour le Octaves Nr. 5 von Claude Debussy geriet als impressionistisches Leuchtfeuer und mit der Etüde Op. 2 Nr. 1 von Sergei Prokofjew hat der Künstler noch einmal virtuos und vollgriffig geradezu triumphiert. Schnelligkeit und musikalisches Gespür für Klangweiten sind seine offensichtliche Stärke.

Stehende Ovationen brachten zwei Zugaben aus der polnischen Heimat des Pianisten hervor. Das eher schlichte Menuett in G-Dur von Ignaz Paderewsky entfaltete sich grandios zu einem virtuosen Kraftwerk mit Läufen, reicher Ornamentik und opulenten Glissandi. Fabelhaft! Danach gab es noch ein Nocturne von Chopin und nach herzlichem Schlussapplaus ein Wiedersehen bei einem Buffet im Foyer auf Einladung der NORD/LB. Es war ein Abend, der in Erinnerung bleibt.

Okka Mallek
Hannover, 23.05.2026

Der Künstler

Antoni Kłeczek

wurde am 30. Oktober 2006 geboren. Er studiert derzeit an der Fryderyk Chopin Universität in Warschau in der Klasse von Prof. Piotr Paleczny. Bevor er sein Studium im akademischen Jahr 2025-2026 in Warschau begann, hat Antoni bei Martin Labazevitch in Washington DC studiert und unter anderem an Unterricht oder Meisterkursen mit Pianisten wie Horacio Gutiérrez, Kirill Gerstein, Jeffrey Swann, Garrick Ohlsson, Kevin Kenner, Ewa Pobłocka und Krzysztof Jabłoński teilgenommen.

Er ist Preisträger vieler internationaler Klavierwettbewerbe und er war der Gewinner beim 19. Internationalen Chopin-Wettbewerb unserer Chopin-Gesellschaft Hannover in 2025. Hier konnte er sich gegen die fünf anderen Finalteilnehmer durchsetzen und die Jury ebenso wie das Publikum mit seiner Spielweise gleichermaßen überzeugen.

Weitere Erfolge feierte er beim ‚Artur Rubinstein in Memoriam‘ in Bydgoszcz (vierter Preis), bei der Kościuszko Foundation Chopin Competition in Washington (zweiter Preis), der Chopin Competition in Szafarnia (erster Preis) und der National Fryderyk Chopin Piano Competition  in Warschau 2025 (dritter Preis) und beim großen XIX. Internationalen Klavierwettbewerb 2025 in Warschau überstand er mehrere Ausscheidungsrunden und befand sich schlussendlich im Kreis der besten 84 von insgesamt über 600 Teilnehmern.

Antoni trat als Solist mit der National Philharmonie von Washington DC, der Warschauer Philharmoniker, der Westböhmischen Symphonie und dem polnischen Sinfonia Iuventus Orchestra sowie in Konzerten in den USA, Polen, Deutschland, Puerto Rico und Ungarn auf.

Die New York Concert Review beschrieb Antoni Kłeczek als einen Pianisten, der „eine musikalische Reife hat, die weit über seine Jahre hinausgeht“.  

Programm

Frédéric ChopinPolonaise-Fantasie op. 61
Drei Mazurken op. 50
Nocturne op. 55 Nr. 2
Ballade Nr. 4 op. 52
Johannes BrahmsVariationen über ein Thema von Paganini op. 35 Heft 1
Intermezzo A-Dur op. 118 Nr. 2
Alexander SkjabinWalzer As-Dur op. 38
Claude DebussyÉtudes: Pour les octaves L 136 Nr. 5
Sergei S. ProkofjewEtüde op. 2 Nr.1