6 | Open-Air Konzert

Spätsommerfreuden im Georgengarten. Das Open-Air-Konzert der Chopin-Gesellschaft Hannover ging sturm- und regenfrei über die Bühne

Spätsommerfreuden im Georgengarten. Das Open-Air-Konzert der Chopin-Gesellschaft Hannover ging sturm- und regenfrei über die Bühne

Ende August kann es mit dem Wetter schon mal heikel werden. Schließlich kündigt sich der Herbst gerne mit ersten Sturmböen an und die hochsommerlichen Temperaturen sind passé. Das 36. Open-Air-Konzert der Chopin-Gesellschaft Hannover stand aber in der Gunst des „Wettergottes“ und so kamen einige tausend Besucher in den hannoverschen Georgengarten, um einen erlesenen und abwechslungsreichen Konzertgenuss zu erleben. Musikliebhaber aller Altersgruppen platzierten sich mit Decken, Klappstühlen und kulinarischen Genüssen auf der Wiese und hatten sichtbare Freude an den musikalischen Darbietungen, was nach jedem Satz durch viel Applaus und Jubelrufe bekundet wurde.

Das Sinfonieorchester Hannover spielte unter seiner neuen Leitung, der jungen Dirigentin Magdalena Klein. Präzise in der Stabführung, mit dynamischer Ausstrahlung und musikalisch auf hohem Niveau führte sie das Orchester und die Solisten durch das Programm.

Mit einem etwa zwölf minütigen Orchesterwerk, den Polowetzer Tänzen aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin, wurde das Publikum auf die nachfolgenden Solokonzerte eingestimmt. Zarte Klänge der Holzbläser leiteten den ersten der vier Sätze ein und orientalische Anklänge gaben dem Werk einen wehmütigen Klangcharakter, bevor der letzte Satz mit Pauken und Trommelwirbel endete. All diese Charakteristika kamen in dieser charmanten Orchesterfassung sehr schön zur Geltung und wurden lebhaft und originell umgesetzt.

Im Jahr 1786 vollendete Wolfgang Amadeus Mozart sein viertes Hornkonzert Es-Dur. Der junge Hornist Bastian Spier hat es mit hervorragender Intonation sehr einfühlsam dargeboten, wobei er von der Streichergruppe dezent begleitet wurde und mit einer virtuosen Solokadenz bestach. Besonders samtig weich, und bereits in die romantische Epoche weisend, erklang der 2. Satz, eine zarte Romanze. Lange anhaltenden Beifall gab es für den sympathischen jungen Musiker.

Während der Pause wurde der große Flügel auf das Podium gerollt und die Pianistin Claire Huangci, die kurzfristig für den erkrankten Pianisten Artur Hinnewinkel einsprang, bestach mit einer grandiosen Darbietung des Klavierkonzertes in a-Moll von Robert Schumann. Claire Huangcy ist auf internationalen Podien eine gefragte Solistin und der Chopin-Gesellschaft Hannover sehr verbunden. Hier hat sie erste Erfolge und Wettbewerbspreise erzielt. Nun kam sie zurück in die Stadt ihrer Studentenzeit und begeisterte mit einer musikalischen Tiefgründigkeit und Transparenz, die das Phantastische dieses Konzertes in den Fokus rückte. Vollgriffig, dynamisch und mit viel Schwung hat sie den sinfonischen Charakter hervorgehoben und den Schumannschen Zwiespalt zwischen träumerischen und stürmischen Passagen heraus kristallisiert. Aufmerksame Stille breitete sich unter den Zuhörern aus, als der zweite Satz mit seiner sanften Melodik im Dialog mit den Streichern erklang.

Es gab begeisterten Applaus und große Blumensträuße sowie das Versprechen der Präsidentin der Chopin-Gesellschaft, dass es auch im nächsten Jahr wieder ein Open-Air-Konzert geben wird.

Okka Mallek
Hannover, 30.08.2026

Programm

A. BorodinPolowetzer Tänze (aus Prinz Igor)
Wolfgang Amadeus MozartHornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 495
Robert SchumannKlavierkonzert a-Moll op. 54

Die Künstlerinnen

Claire Huangci

Die junge amerikanische Pianistin Claire Huangci, Gewinnerin des Géza-Anda-Wettbewerbs 2018, begeistert ihr Publikum immer wieder mit ihrer „strahlenden Virtuosität, künstlerischen Sensibilität, ausgeprägtem interaktiven Gespür und subtiler auditiver Dramaturgie“ (Salzburger Nachrichten). Mit unbändiger Neugier und Vorliebe für ungewöhnliches Repertoire beweist sie ihre Vielseitigkeit mit einer breiten Palette von Projekten.

In Solorezitals und als Partnerin internationaler Orchester wie dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Radio-Sinfonieorchester Wien, dem Mozarteumorchester Salzburg und dem China Philharmonic Orchestra hat sich Claire Huangci als gefragte Künstlerin etabliert. Sie konzertierte in Häusern wie der Carnegie Hall New York, der Suntory Hall Tokio, dem NCPA Peking, der Philharmonie de Paris, dem Münchner Gasteig, dem Leipziger Gewandhaus und der Elbphilharmonie Hamburg.

Ihre internationale Karriere begann Claire bereits im Alter von neun Jahren mit Konzertauftritten und Wettbewerbserfolgen. Sie studierte am Curtis Institute of Music in Philadelphia bei Eleanor Sokoloff und Gary Graffman, bevor sie 2007 für weitere Studien bei Arie Vardi an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover nach Deutschland wechselte.

Ihre Diskografie zeugt von ihrer künstlerischen Bandbreite: Aufnahmen von Scarlatti-Sonaten, die mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurden, sowie die Gesamteinspielungen der Chopin-Nocturnes und der Rachmaninow-Préludes. Ihre jüngsten Alben loten häufig die Schnittstelle zwischen klassischer Tradition und moderner Interpretation aus – stets auf der Suche nach jener frischen Perspektive, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist.

© Monika Lawrenz

Bastian Spier,

2005 in München geboren, studiert seit 2023 Horn bei Prof. Sibylle Mahni an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Ersten Unterricht erhielt er 2012 bei Manfred Neukirchner, später wechselte er zu Johannes Kaltenbrunner. Von 2020 bis 2023 war Bastian Jungstudent an der HfMT München in der Klasse von Prof. Johannes Hinterholzer, Prof. Carsten Duffin und Hasko Kröger. 

Weitere prägende Impulse erhielt er von Prof. Christoph Eß. Als mehrfacher 1. Bundespreisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert wurde er mit Sonderpreisen der Heidi-Arnold-Stiftung, der Sparkasse sowie der Deutschen Stiftung Musikleben ausgezeichnet. Seit 2024 wird er als Stipendiat der Mozart Gesellschaft Dortmund und der Jütting-Stiftung gefördert. Erste Orchesterfahrung sammelte Bastian im Bundesjugendorchester, der Jungen Deutschen Philharmonie, der Camerata Hamburg und dem Konzerthausorchester Berlin. 2024-2025 hatte er einen Zeitvertrag bei den Bamberger Symphonikern. Neben dem Orchesterspiel stellt die

Kammermusik für ihn einen zentralen Bestandteil seiner Künstlerischen Tätigkeit dar. Er gehört dem Holzbläserquintett Ensemble Quinton an, das Stipendien der Villa Musica, des Deutschen Musikwettbewerbs sowie der Mozart Gesellschaft Dortmund erhalten hat. Sein Solodebüt gab er 2023 mit Strauss 1. Hornkonzert und dem Odeon Jugendsinfonieorchester. 2025 führte er dasselbe Stück mit den Bremer Philharmonikern auf.

© Peter Adamik

Das Sinfonieorchester Hannover

spielt seit über 60 Jahren eine herausragende Rolle innerhalb des hannoverschen Kulturlebens. Das Ensemble setzt sich zusammen aus Studierenden, jungen Berufstätigen, Schülerinnen und Schülern. Einen Großteil bilden Studierende unterschiedlicher Studiengänge der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Die Leitung liegt traditionell in den Händen von Professoren bzw. Dozenten der Musikhochschule, sodass vielfältige Kooperationen stattfinden. Aufgrund dieser spezifischen Zusammensetzung behauptet das SOH seinen Ruf als „semiprofessionelles“ Orchester von herausragendem musikalischen Niveau.

Im alljährlichen Open-Air Konzert im Georgengarten, das jedes Mal 5.000 Zuhörer und mehr anlockt, trifft das Orchester auf Solisten von internationalem Rang und präsentiert sich einer breiten Öffentlichkeit. Daneben werden turnusmäßig zwei Konzertprogramme pro Jahr erarbeitet.

Magdalena Klein

war mehrere Jahre musikalische Assistentin der Bochumer Symphoniker. Dort zeichnete sie sich nicht nur durch ihr Dirigat in verschiedenen Konzertformaten, sondern auch durch ihre Vielseitigkeit in den Bereichen Moderation, Konzerteinführung und Educationarbeit aus. Die Arbeit mit Jugendorchestern und Nachwuchsmusiker:innen ist ihr ein besonderes Herzensanliegen. Sie schloss ihr Masterstudium in Orchesterdirigieren an der International Conducting Academy der Universität der Künste Berlin unter Prof. Steven Sloane und Prof. Harry Curtis ab. 2019 qualifizierte sie sich als Finalistin des Dirigierwettbewerbs deutscher Musikhochschulen in Nürnberg. Die Rudolf-Augstein-Stiftung nahm sie als bisher einzige Dirigentin in ihr Mentorship-Programm re:balance auf, das Gleichberechtigung in den Künsten fördert.

Der Georgengarten mit und ohne die Chopin-Gesellschaft

davor