7. Janu­ar 2014 — HAZ

Einfach schwer

Ein neuer Mozart-Spezia­list: William Youn eröff­net die Saison bei der Chopin Gesell­schaft Hanno­ver

Von Stefan Arndt


Auf den ersten Blick lässt sich eine einfa­che­re Musik kaum vorstel­len: Mozarts Es-Dur Sona­te KV 282, die der Kompo­nist gera­de einmal 19-jährig in München geschrie­ben hat, beginnt mit einer lang­sa­men Einlei­tung aus weni­gen, spar­sam gesetz­ten Akkor­den, der eine volks­tüm­li­che Melo­die über einer schlich­ten, fast stereo­ty­pen Beglei­tung folgt. Es ist eigent­lich kein Stück, mit dem ein junger Virtuo­se sich seinem Publi­kum vorstellt. Und doch steht die Sona­te am Beginn eines groß ange­leg­ten Aufnah­me­pro­jek­tes, mit dem der korea­ni­sche Pianist William Youn sich nun ein neues Publi­kum erobern will. 

Der 31-Jähri­ge wird in den kommen­den Jahren sämt­li­che Klavier­so­na­ten Mozarts bei Oehms Clas­sics einspie­len. So möch­te er seine Karrie­re, die in Ameri­ka und Asien bereits Fahrt aufge­nom­men hat‚ auch in Euro­pa fort­set­zen. Youn lebt zurzeit in München, was aller­dings nicht sein erster Deutsch­land­auf­ent­halt ist. Als 18-Jähri­ger kam er zum Studie­ren nach Hanno­ver. An der Musik­hoch­schu­le waren dort zunächst Karl-Heinz Kämmer­ling und nach dessen Tod Bernd Goetz­ke seine Lehrer.

Bei ihnen mag Youn das außer­ge­wöhn­lich konzen­trier­te Spiel gelernt haben, das nun seiner Versi­on der Mozart-Sona­te zugu­te kommt. Vom ersten Akkord an macht Youn klar, dass diese Musik einfach, aber nicht einfäl­tig ist. Als seine „schwe­ren Sona­ten“ hat Mozart selbst die Stücke bezeich­net, die er im Jahr der Es-Dur-Sona­te kompo­niert hat. In ihnen zeigt sich erst­mals voll­kom­men klar der typi­sche Mozart-Ton, der mit weni­gen Noten und ohne oberfläch­li­chen Effekt erstaun­li­che Emotio­nen ausdrü­cken kann. Doch gera­de die Präzi­si­on der musi­ka­li­schen Spra­che macht die Stücke anfäl­lig. Eine nach­läs­si­ge Phra­sie­rung‚ ein schlecht ausba­lan­cier­ter Akkord können hier viel zunich­te machen.

Youn jedoch entgeht allen Versu­chun­gen, bei beson­ders schö­nen Stel­len das Tempo zu dehnen oder über vermeint­lich Unwich­ti­ges hinweg­zu­ei­len. Bei ihm haben alle Phra­sen Luft und Ziel, dazu kommt eine wunder­ba­re Anschlag­tech­nik, die den Klang bei allen Diffe­ren­zie­rungs­mög­lich­kei­ten immer bril­lant erschei­nen lässt und durch­aus ein wenig an den großen Mozart-Pianis­ten Fried­rich Gulda erin­nert.

Als entde­ckens­wer­ter Pianist ist Youn eine Ideal­be­set­zung auch für die Chopin Gesell­schaft Hanno­ver, deren dies­jäh­ri­ge Saison der Korea­ner mit einem Konzert am 24. Janu­ar um 19 Uhr bei Solvay (Freund­al­lee 9a) natür­lich auch mit Werken von Mozart eröff­net. In acht Veran­stal­tun­gen übt sich die Gesell­schaft darin, die Stars von morgen zu präsen­tie­ren, was tatsäch­lich mit erstaun­li­cher Regel­mä­ßig­keit gelingt.

In diesem Jahr steht dabei in einem Konzert erst­mals nicht ein einzel­ner Pianist, sondern ein Pädago­ge im Mittel­punkt. Am 18. Okto­ber präsen­tiert Youns ehema­li­ger Lehrer Bernd Goetz­ke seine aktu­el­le Klavier­klas­se. „Von frem­den Ländern und Menschen“ ist der Abend mit einem Stück­ti­tel von Robert Schu­mann über­schrie­ben, der hier wört­lich zu verste­hen ist: Die jungen Pianis­ten kommen aus sechs verschie­de­nen Ländern und spie­len Werke von Kompo­nis­ten ihrer Heimat.

David Theo­dor Schmidt, Jahr­gang 1982, ist wohl der in Deutsch­land bereits arri­vier­tes­te Künst­ler im dies­jäh­ri­gen Programm. Sein Konzert am 29. Novem­ber mit Werken polni­scher Kompo­nis­ten wird einen Tag später zuguns­ten der HAZ-Weih­nachts­hil­fe wieder­holt. Die Chine­sin Boyang Shi, die am 9. Mai auftritt, ist zumin­dest an ihrem Studi­en­ort Hanno­ver schon bekannt: Sie hat im vergan­ge­nen Jahr den 14. Inter­na­tio­na­len Klavier­wett­be­werb der Chopin Gesell­schaft gewon­nen. Auch das Jubi­lä­um der 300-jähri­gen Perso­nal­uni­on zwischen Hanno­ver und England wird im Programm bedacht: Am 16. März spielt der junge Englän­der Benja­min Gros­ve­nor im briti­schen Konsu­lat, und das Open-Air-Konzert im Geor­gen­gar­ten am 7. Septem­ber steht unter briti­schen Vorzei­chen. Weite­re Konzer­te geben der viel­fach ausge­zeich­ne­te Fran­zo­se Fran­cois Dumont (16. Febru­ar) und der ameri­ka­ni­sche ARD-Preis­trä­ger Ben Kim (6. Juli).