2 | Der Meis­ter und seine Schü­ler

Prof. Matti Raekallio und seine Schüler | VGH Versicherungen


Der Meis­ter und seine Schü­ler“…

unter diesem Titel gestal­te­te eine Klavier­klas­se der Hoch­schu­le für Musik, Thea­ter und Medi­en Hanno­ver einen Konzert­abend im dezent illu­mi­nier­ten Saal der VGH Versi­che­run­gen. Bereits im vori­gen Jahr wurde die Idee, eine Klavier­klas­se im Rahmen der Konzer­te der Chopin-Gesell­schaft Hanno­ver vorzu­stel­len, erfolg­reich prak­ti­ziert. Nun durf­te das zahl­reich erschie­ne­ne Publi­kum erneut einen inter­es­san­ten Einblick in die Arbeit eines Klavier­meis­ters und seiner Eleven gewin­nen. Der aus Finn­land stam­men­de Pianist, Prof. Dr. Matti Raekal­lio, hat zehn seiner Schü­ler auf diesen Konzert­abend gut vorbe­rei­tet, und es zeig­te sich wieder einmal, dass die hanno­ver­sche Musik­hoch­schu­le ihren welt­weit aner­kann­ten guten Ruf zu Recht verdient hat.

Vom Bache­lor über Master­klas­se bis zur Solo­klas­se waren alle Spar­ten der Ausbil­dungs­gän­ge vertre­ten. Der jüngs­te Teil­neh­mer, erst 16 jährig und in der Jung­klas­se studie­rend, konn­te mit dem 4. Scher­zo von Chopin und einem selbst­be­wuss­ten Auftre­ten die Zuhö­rer gewin­nen, während vielen der jungen Musi­ker die noch fehlen­de Auftritts­rou­ti­ne anzu­mer­ken war. Hand­werk­li­ches Können und Talent waren erkenn­bar bei allen Teil­neh­mern vorhan­den, und ein Programm mit anspruchs­vol­len Werken der Klavier­li­te­ra­tur fesselt ohne­hin jeden Musik­lieb­ha­ber. Der erste Teil des Abends war ausschließ­lich Chopin gewid­met. Es wurde traum­ver­lo­ren das Nocturne Nr. 13 in c‑Moll vorge­tra­gen, sehr über­zeu­gend die F‑Dur Balla­de Nr. 2, zart flie­ßend die Fis-Dur Barca­rol­le und zum Abschluss des ersten Konzert­teils der Kopf­satz der 3. Sona­te h‑Moll. Das Anfangs­the­ma, Alle­gro maes­to­so, hätte man sich, als Kontrast zum gesang­li­chen 2. Thema, etwas trium­pha­ler vorstel­len können.

Nach der Pause noch­mals Chopin. Sein 3. Scher­zo cis-Moll op. 39 erklang frisch und kraft­voll. Danach konn­ten sich die Zuhö­rer entspannt zurück­leh­nen und dem und mit inni­ger Leiden­schaft vorge­tra­ge­nen Moment musi­cal Nr. 2, As-Dur von Franz Schu­bert lauschen. Die harmo­ni­sche Klar­heit der lyri­schen Klavier­stü­cke, denen sich Schu­bert in seinen letz­ten Lebens­jah­ren gewid­met hat, ist ergrei­fend, rührend und von zarter Melan­cho­lie. Ernst und melan­cho­lisch klang auch der erste Satz aus Scria­bins Sona­te Nr. 1. Das Werk, geschrie­ben in einer Zeit der Krise, ist von enor­mer tech­ni­scher Schwie­rig­keit und wurde sehr anschau­lich vorge­tra­gen, eben­so wie Scria­bins Prelude Nr. 7 aus seinen 12 Preludes Op. 11 und der gefäl­li­ge Walzer op. 38. Der bekann­te Marsch und das Andan­te aus der Nuss­kna­cker-Suite von Tschai­kow­sky in einer virtuo­sen Klavier­be­ar­bei­tung von Micha­el Plet­nev war ein launi­ges Fina­le und herz­li­cher Applaus brach­te alle Künst­ler und ihren Lehrer noch­mals auf das Podi­um. 

Okka Mallek
Hanno­ver, 22. 02. 2015 

Prof. Matti Raekal­lio 

lehr­te bereits von 2005 bis 2010 als Profes­sor für Klavier an der HMTMH, bevor er vorüber­ge­hend an die Juil­li­ard School New York wech­sel­te. Seit Okto­ber 2013 ist er zurück an der HMTMH. Zuvor hatte er bereits Profes­su­ren an der Sibe­li­us Akade­mie in Helsin­ki, am König­li­chen Konser­va­to­ri­um für Musik in Stock­holm und an der Western Michi­gan Univer­si­ty inne.

Dr. Matti Raekal­lio studier­te zuerst in seiner Heimat Finn­land, später auch in London bei Maria Curcio Diamant, in Wien an der Akade­mie für Musik bei Dieter Weber und schließ­lich am Lenin­grad (heute St. Peters­burg) Conser­vato­ry. 1981 gab er sein ameri­ka­ni­sches Debüt-Konzert in der Carne­gie (Weill) Reci­tal Hall und gab in den Folge­jah­ren regel­mä­ßig Solo-Konzer­te und Konzer­te mit verschie­de­nen ameri­ka­ni­schen Sympho­nie­or­ches­tern. Profes­sor Raekal­lio promo­vier­te an der Sibe­li­us Akade­mie über Fingersatz-Stra­te­gi­en ausge­wähl­ter Pianis­ten und Kompo­nis­ten des 19. und 20. Jahr­hun­derts.

Die Pianis­ten und ihr Programm

Soo Jin Cha Chopin: Nocturne Op. 48 Nr. 1 in c‑Moll
Max Flie­der L.v. Beet­ho­ven: Fanta­sie in g‑moll, Op. 77
Patri­cia Hase F. Schu­bert: “moments musi­caux” Op. 94 
Dion­ne Lee Chopin: Barca­rol­le Op. 60 
Sun Ho Lee Liszt-Volo­dos: Unga­ri­sche Rhaps­odie Nr. 13
Karl Peters­son Skrja­bin: Sona­te Nr. 1 f‑Moll Alle­gro con fuoco
Juli­an Pflug­mann 
Lin Ye Chopin: Scher­zo Nr. 3 cis-Moll Op. 39
Evan Wong Chopin: Etude Op. 25 Nr. 5
Meng Sun Chopin: Balla­de Nr.2 Op. 38, F‑Dur
Jun Ho Yeo Chopin: Scher­zo Nr. 4 E‑Dur, Op. 54
Se-Hyeong Yoo Scria­bin: Prelude Op. 11 Nr. 7 in A‑Dur