27. Januar 2020 – HAZ

Der Reiz des ersten Satzes 

Claire Huangci und Tristan Cornut überzeugen bei der Chopin-Gesellschaft
Von Juliane Moghimi 



Hannover. Frédéric Chopin ist seinem Lieblingsinstrument, dem Klavier, nur selten untreu geworden. Gerade einmal neun Stücke hat er für andere Instrumente komponiert – davon ein einziges für das Cello: seine Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 65.

Der Komponist hat sie seinem Freund Auguste Franchomme gewidmet und mit diesem zusammen im Februar 1848 in Paris die Uraufführung gespielt- allerdings nur die Sätze zwei bis vier, weil er mit dem ersten noch nicht zufrieden war. Diese Aufführung sollte Chopins letztes öffentliches Konzert werden -und die Sonate mit dem nicht mehr überarbeiteten ersten Satz die letzte zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Komposition.

Rasend schnelle Läufe 
Nun stand das Werk mit der Opuszahl 65 beim ersten Konzert der Chopin-Gesellschaft Hannover in diesem Jahr auf dem Programm. Die Pianistin Claire Huangci und der Cellist Tristan Cornut stellten dabei im Konferenzraum der HDI-Versicherungen eindrucksvoll unter Beweis, dass auch der von Chopin selbst so stark in Zweifel gezogene erste Satz seine Reize hat.

Der Komponist verlangte den Musikern viel ab: rasche Tempi, Doppelgriffe und rasend schnelle Läufe von der tiefsten bis hoch in die Daumenlage auf dem Cello, komplexe Rhythmen, harmonische Rückungen und riesige Amplituden auf dem Klavier. Das Duo bewältigte all das nicht nur spielend, die beiden Musiker waren dabei auch sehr gut aufeinander abgestimmt. Die Agogik der Musik, die dynamischen Entwicklungen, die Stimmungswechsel – all das gestalteten sie gemeinsam, auch bei den zuvor erklungenen „Fantasiestücken a­Moll“ für Klavier und Cello von Robert Schumann. Diese Einigkeit der Instrumente war vor allem der Pianistin zu verdanken, die das Kunststück vollbrachte, dem Cellisten zu folgen und gleichzeitig selbst hochmusikalisch zu agieren. 

Balance stimmt nicht ganz 
Einzig die klangliche Balance zwischen den beiden Instrumenten stimmte nicht ganz. Der Steinway Flügel, auf dem Claire Huangci im ersten Teil des Konzerts Mozarts Klaviersonate Nr. 14 c-Moll, Chopins „Introduktion und Bolero a­Moll/A-Dur“ sowie die „Ungarischen Tänze“ 1-5 von Brahms meisterhaft solistisch vorgetragen hatte, überdeckte mit seinem typischen kristallinen Klang vor allem die tie­feren Töne des Cellos. 

Dies mag auch der Akustik des Raumes geschuldet gewesen sein, aber es wäre reizvoll gewesen, einem Versuch mit geschlossener Flügeldecke zu lauschen.


Info Das nächste Konzert der Chopin-Gesellschaft Hannover findet am Sonntag, 23. Februar, in der Schillerschule statt. Dort werden der Pianist Emanuel Roch und das Junge Sinfonieorchester Hannover unter anderem Pjotr Tschai­kowskis berühmtes Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll aufführen.