1 | Klavier­abend mit Marie Sophie Hauzel

Marie Sophie Hauzel, Klavier

Eine Stunde des Staunens – die Pianistin Marie Sophie Hauzel verzaubert und berührt.

Das Platzkontingent war begrenzt. Wer jedoch das Glück hatte, eine Eintrittskarte zu erwerben, konnte für eine gute Stunde die kleinen alltäglichen Sorgen und die großen weltpolitischen Probleme vergessen. Die Chopin-Gesellschaft Hannover hatte zu ihrem ersten Konzert des Jahres die Pianistin Marie Sophie Hauzel eingeladen und bewies damit wieder einmal ihr untrügliches Gespür dafür, großartige junge Talente auszuwählen und vorzustellen. So wurde dieser Abend in den Räumen der HDI Versicherung AG zu einem ganz besonderen Ereignis.

Mit graziler Anmut, jugendlicher Natürlichkeit und einem immensen pianistischem Können stellte die Künstlerin, die gerade am Beginn ihrer dritten Lebensdekade steht, ein interessantes, außergewöhnliches Konzertprogramm vor. Besondere Aufmerksamkeit lag auf ihrem sehr rhythmischen und kraftvollen Spiel. Die 1982 komponierte Klaviersonate des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera mit ihrer Intensität, den durchgehend perkussiven Akkorden und doppelgriffigen Glissandi war ein wahres Feuerwerk. Ebenso Ravels La Valse. Ein Werk von extremer pianistischer Schwierigkeit. Hier wurde die spannungsvolle Entwicklung des gefälligen Wiener Walzer bis zum bizzaren Tanztaumel virtuos ausgereizt.

Der Name der französischen Komponistin Cécile Chaminade ist erstaunlicherweise selten auf Konzertprogrammen zu lesen. Obwohl ihre Werke von hoher Qualität und Originalität sind, gerieten sie schon zum Ende des Lebens der Komponistin weitgehend in Vergessenheit. Mit der Konzertetüde Op. 35, Nr. 2 eröffnete Marie Sophie Hauzel den Abend. Der rhetorisch-gesangliche Einleitungsteil lässt Einflüsse von Chopin erkennen und steht noch ganz in der Tradition der Romantik, ein schöner Kontrast zum furiosen Mittelteil des Stückes. Marie Sophie Hauzel schien ganz in ihrem Element zu sein, wenn es darum ging, Akkorde, Sprünge, Läufe und Glissandi geradzu majestätisch zu zelebrieren. Alles schien dieser grazilen jungen Virtuosin so leicht und selbstverständlich aus der Hand zu fließen, dass es eine Freude für Augen und Ohren war.

Einen Gegensatz zur Virtuosität und zum jugendlichem Elan bildete das bekannte Spätwerk des belgischen Komponisten und Organisten César Franck. Sein Triptychon aus Präludium, Choral und Fuge entspringt der Vorliebe und Verehrung für Johann Sebastian Bach. Hier wird die barocke Form in einem neugotischen Gewand dargestellt. Auch dieses Werk stellt hohe pianistische Anforderungen. Marie Sophie Hauzel brachte die Themen zum Leuchten, balancierte die Stimmen der Fuge wirkungsvoll aus, und es gelang ihr eine sehr schlüssige, verständliche Interpretation.

Lange anhaltender Applaus konnte eine Zugabe entlocken. Die Widmung von Robert Schumann wirkte überirdisch, rätselhaft entrückt, leidenschaftlich und doch ganz präsent. Marie Sophie Hauzel lässt wohl niemanden unberührt. Ein Abend voller Klangwunder, der hoffentlich eine Fortsetzung findet.

Okka Mallek
Hannover, 27.03.2022


Die Künstlerin

Marie Sophie Hauzel

Marie Sophie Hauzel, Jahrgang 2000, erhielt bereits mit 4 Jahren ihren ersten Klavierunterricht und war mit 15 Jahren die jüngste Vollstudentin in der Universität Mozarteum Salzburg, wo sie im Alter von 20 Jahren ihr Bachelor Studium abschloss. Gleichzeitig war sie Schülerin von Prof. Arie Vardi an der HMTMH in Hannover. Derzeit macht sie ihren Master an der Musikhochschule München bei Prof. Markus Bellheim.

Im Verlauf Ihres Studiums erhielt sie von international anerkannten Klavierpädagogen und Professoren zusätzlichen Unterricht und Masterklassen, u.a. von Rudolf Buchbinder, Cyprien Katsaris, Lang Lang, Arnulf von Arnim, Karl Heinz Kämmerling und Andreas Groethuysen. Als Solistin konzertiert sie mit zahlreichen renommierten Orchestern. Sie gastierte nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern bereits auch in zahlreichen Ländern Europas, sowie in den USA und China…

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Programm

Cécile ChaminadeEtude de concert op.35 no.2 „Autumn“
Alberto Ginastera Sonata no.3 op. 54
Mikhail Glinka (arr. Gryaznov)
Valse Fantasie
César FranckPreludium, Choral und Fuge FWV 21
Maurice Ravel La Valse